„Ausgebildete Trainer sind wichtiger Baustein“

„Ausgebildete Trainer sind wichtiger Baustein“

Raphael Koch hat drei wesentliche Säulen für die zielführende Förderung der sportlichen Entwicklung identifiziert. Im Interview thematisiert der OÖFV-Direktor allgegenwärtige Problemfaktoren, einen Lösungsansatz in Form des expandierenden Projekts „Schule am Ball“ sowie ein Phänomen am Trainersektor in unserem Bundesland.

 

 

Die Kernaufgabe des OÖ FUSSBALLVERBANDES ist die Abwicklung des Spielbetriebes. Gibt es darüber hinaus Schwerpunkte, denen sich der Verband widmet?

RK: „Die Organisation und Abwicklung des Spielbetriebes für Groß und Klein ist unser Tagesgeschäft und nimmt natürlich einen wesentlichen Teil unserer Ressourcen in Anspruch. Wir sehen uns aber nicht nur als reiner Verwaltungsapparat, sondern möchten zur qualitativen Entwicklung der Vereine und des Fußballs in Oberösterreich beitragen. Wir wollen nicht nur verwalten, sondern auch gestalten!“

 

Wie kann das gelingen?

RK: „Das kann nur in Zusammenarbeit mit unseren Vereinen gelingen. Als Verband versuchen wir Inputs und Hilfestellungen zu liefern. Die ausführenden Organe an der Basis werden immer unsere Vereine sein. Für mich gibt es drei wesentliche Säulen, die zu einer gesunden Vereinslandschaft beitragen und die die sportliche Entwicklung fördern. Eine Säule sind die Vereinsfunktionäre. Sie geben die Richtung im Verein vor. Das sollte nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit entsprechendem Hintergrundwissen und Weitblick passieren. Die zweite Säule ist der Nachwuchs. Die Erhaltung einer zahlenmäßig breiten Basis an Nachwuchsspielern ist notwendig, um eine langfristige Existenz  unserer Vereine zu sichern. Die dritte Säule sind ausgebildete Trainer, um die sportliche Qualität im Verein an sich und das Interesse am Fußball zu sichern.“

 

Die Schulung von Vereinsfunktionären wird durch das Vereinscoaching abgedeckt. Welche Maßnahme gibt es, um zur Entwicklung der zweiten Säule beizutragen?

RK: „Es ist nicht mehr wie in früheren Zeiten, in denen die Kinder den Vereinen zugelaufen sind. Heute müssen sich die Vereine aufgrund einer sehr hohen Anzahl an anderen Freizeitangeboten aktiv um die Kinder bemühen. Ein großes Problem ist in diesem Zusammenhang der generell sich ausbreitende Bewegungsmangel in unserer Bevölkerung. Die neuen Medien tragen nicht gerade dazu bei, dass sich Kinder sportlich betätigen, und wenn auch die Eltern keine Vorbildwirkung ausüben, wird es ganz schwierig Kinder für Sportvereine beziehungsweise sportliche Betätigung zu begeistern. Wir versuchen diesen beiden Problemen mit dem Projekt „Schule am Ball“ zu begegnen.“

 

Was passiert bei  „Schule am Ball“?

RK: „Das Projekt besteht aus drei Teilen. Einerseits gehen wir mit ausgebildeten Nachwuchstrainern in die Schulen und führen dort Ballspieleinheiten durch. Dazu laden wir Vertreter der örtlichen Vereine ein, mit dem Ziel eine Kooperation zwischen Schule und Verein zu initiieren. Eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Sportverein ist ein probates Mittel, um Nachwuchsspieler zu generieren. Wir möchten aber auch die Lehrerinnen und Lehrer erreichen. Dazu bieten wir als zweiten Projektteil einen Workshop an, der als Fortbildungsveranstaltung für einen kindgerechten Turnunterricht dienen soll.  Den Abschluss bildet ein Volksschulcup, bei dem sich alle am Projekt teilnehmenden Schulen eines Bezirkes messen können. Im Vordergrund steht selbstverständlich der olympische Gedanke und nicht das Gewinnen. Die aus Burschen und auch Mädchen bestehenden Schulmannschaften werden vom örtlichen Vereinstrainer und der Klassenlehrerin oder dem  Klassenlehrer gemeinsam gecoacht. Wir möchten mit „Schule am Ball“ einerseits das Problemfeld Bewegungsmangel bei der Wurzel packen und schon frühzeitig den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder wecken und andererseits durch Initiieren von Kooperationen zwischen Schule und örtlichem Fußballverein den Vereinen unter die Arme greifen, um Kinder für den Fußball zu gewinnen. Wir können aber nur die Rutsche legen. Die Vereine müssen in der Folge selbst aktiv werden und den Kontakt zur Schule pflegen. Das wollen wir den teilnehmenden Vereinen auch vermitteln.“

 

Wie wird das Projekt angenommen?

RK: „Wir konnten heuer mit dem Projekt über 4200 Kinder erreichen. Es wird so gut angenommen, dass wir uns das realistische Ziel gesteckt haben, das Projekt flächendeckend auf ganz Oberösterreich auszuweiten.“

 

Es war auch noch von ausgebildeten Trainern als dritte Säule die Rede. Gibt es zu wenig ausgebildete Trainer in Oberösterreich?

RK: „Wir haben kein Problem mit dem Zulauf zur Trainerausbildung. Ganz im Gegenteil: Wir müssen sogar Teilnehmer aufs nächste Jahr vertrösten, weil die Kurskontingente völlig ausgelastet sind. Es gibt also bei einer jährlichen Ausbildungsquote von etwa 230 Trainern – und das schon über Jahre hinweg – nicht zu wenige ausgebildete Trainer in Oberösterreich. Wir haben aber auch erhoben, dass trotzdem bei den Vereinen nur 50% der im Nachwuchs arbeitenden Trainer eine Ausbildung haben. Das bedeutet, dass wir zwar sehr viele Trainer ausbilden, ein Großteil davon aber leider nicht langfristig im Fußball tätig ist.“

 

Wie kann der Verband diesem Phänomen entgegenwirken?

RK: „Das kann nur über Bewusstseinsbildung funktionieren. Vereine müssen erkennen, dass ein ausgebildeter Nachwuchstrainer einen entsprechenden Mehrwert darstellt. Durch qualifizierte Nachwuchsarbeit wird sich nicht nur die Anzahl der Eigenbauspieler in der Kampfmannschaft erhöhen. Kinder und Eltern stellen heute hohe Ansprüche an das vom Verein gebotene Training. Es zeigt sich ganz klar, dass Vereine mit einer langfristig guten Nachwuchsarbeit einen entsprechenden Zulauf an Kindern haben. Diese Vereine müssen sich nicht aktiv um Kinder bemühen. Die Nachwuchskicker kommen von selbst und teilweise sogar aus den Nachbarorten. Eine schlechte Qualität führt hingegen sogar zu einem Rückgang von Neueinsteigern. Daher versuchen wir über eine starke Gewichtung eines ausgebildeten Trainers in den Kriterien unserer Belohnungssysteme unseren Vereinen einen Anreiz zu schaffen, darauf Wert zu legen.“

 

Die sportliche Qualität liegt dem Verband aber auch am Herzen, oder?

RK: „Selbstverständlich wollen wir, dass in unserem Bundesland attraktiver Fußball gespielt wird. Wenn wir Verbesserungen an jeder der eingangs erwähnten drei Säulen erzielen können, steigt auch die sportliche Qualität. Gute Funktionäre werden ihren Verein auf gesunde Beine stellen können. Das ist die Basis. Es ist dann auch der notwendige Weitblick vorhanden, um zu erkennen, dass man den Aktiven heutzutage ein attraktives Umfeld bieten muss. Ausgebildete Trainer, die hochwertige Trainings anbieten können, sind beispielsweise im Vergleich zur Infrastruktur dabei der am leichtesten zu realisierende Baustein. Dies führt wiederum dazu, dass mehr Kinder zu den Vereinen kommen. Eine breite Basis, die noch dazu gut ausgebildet wird, bringt automatisch auch eine stärkere Spitze hervor. Die Spirale dreht sich nach oben. Gelingt es uns dieses Bewusstsein zu schaffen, brauchen wir uns um die sportliche Qualität in unserem Bundesland keine Sorgen machen.“