Das Tagebuch einer Bildungsreise

Das Tagebuch einer Bildungsreise

Mit dem Alter von 25 Jahren und seinen Tätigkeiten als Nachwuchsleiter und Jugendtrainer erfüllte er die Voraussetzungen. Und weil Stefan Bieringer die meisten Vereinscoaching-Teilnahmen in der abgelaufenen Saison vorweisen konnte, wurde er letztlich vom OÖ FUSSBALLVERBAND für eine ganz spezielle Bildungsreise nominiert. Eine ÖFB-Kooperation mit der vom DFB initiierten „Aktion junges Ehrenamt“ ermöglichte es jedem Landesverband, im Mai eine Person zu einem fünftägigen Trip nach Spanien zu entsenden. Die Eindrücke des Aufenthalts schildert Bieringer in seinem Reisetagebuch . . .

 

Montag

Nach einer langen und anstrengenden Busfahrt von München nach Santa Susanna erreichten wir am frühen Nachmittag unser Hotel für die kommende Woche. Nach der Zimmereinteilung und der Ausgabe eines umfangreichen Ausrüstungspakets bezogen wir unsere Zimmer. Gemeinsam mit meinem Vorarlberger Kollegen ging es auf Erkundungstour durch die Hotelanlage. Erster offizieller Tagesordnungspunkt war das Posieren für ein Gruppenfoto. Danach ging es zum Abendessen und der damit verbundenen wohlverdienten Stärkung. Im ersten inhaltlichen Teil bekamen wir Infos zu den anstehenden Tagen, lernten neue Leute kennen, wurden offiziell bei unseren deutschen Freunden vorgestellt und bekamen erste fußballspezifische Inhalte vermittelt. Danach ließen wir den Abend mit vielen spannenden und lehrreichen Gesprächen mit anderen Fußballhelden, Referenten und Stefan Gogg, dem sehr engagierten ÖFB-Verantwortlichen für den Breitenfußball, ausklingen.

 

Dienstag

Da heute die ersten praktischen Einheiten auf dem Programm standen, war die Vorfreude riesig. Nach dem sehr ausgiebigen Frühstück und einer kurzen und sehr interessanten theoretischen Einleitung von Thomas Nörenberg (Co-Trainer U20-Nationalmannschaft Deutschland) ging es ab auf die umliegenden Fußballplätze. Erster Schwerpunkt der Trainingseinheit war eine der deutschen Spielprinzipien – „Wir wollen den Ball“. Am Nachmittag stand ein absolutes Highlight auf dem Programm. Wenige Busminuten vom Hotel entfernt befindet sich ein Kunstrasenplatz direkt am Meer. Verschiedenste Turnierformen am Platz und am Strand im Sand wurden aufgegriffen, besprochen und durchgespielt.  Das dichtgedrängte Programm wurde am Abend mit einer Life-Kinetik-Einführung und anschließenden optional wählbaren Seminaren abgeschlossen. Ich entschied mich für die typischsten Verletzungen im Kinder- und Jugendfußball. Zwei Physiotherapeuten ließen uns in ihre Welt eintauchen und lehrten über Prävention, Behandlung und die Verletzungen an sich. Am Abend stand noch Networking an der Hotelbar an.

 

Mittwoch

Der zweite praktische Tag startete mit einer Einheit unter dem Motto „Wir suchen und gewinnen jedes persönliche Duell!“ Wie der Name vermuten lässt, wurde der Schwerpunkt auf das Ausführen und Gewinnen von 1:1-Duellen gelegt. Viele verschiedene Übungsformen mit unzähligen Variationen wurden gezeigt und bespielt. Bei der Nachmittagseinheit stand das Finden von Lösungen unter Raum-, Zeit- und Gegnerdruck im Mittelpunkt. Viele kognitive Aufgaben und Chaos-Spiele sollen bei der Erreichung dieses Zieles helfen. Beim Abendprogramm stand ein ganz spezieller Gast im Fokus. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner berichtete in einem sehr unterhaltsamen und schnelllebigen Vortrag über die Themen Fairplay, Führungsqualitäten und das Schiedsrichterwesen. Viele interessante und lustige Erfahrungen aus seiner langjährigen Karriere rundeten diesen Abend ab.

 

Donnerstag

Nach den beiden praktischen und anstrengenden Tagen stand der Ausflug nach Barcelona am Programm. Gemeinsam mit dem Spanier Juan, der uns während der Busfahrt mit Informationen über Spanien und Barcelona fütterte, machten wir uns auf den Weg in die Weltmetropole. Erste Haltestelle war das Camp Nou, Heimstätte des FC Barcelona. Eine Stadionbesichtigung und der Besuch des Vereinsmuseums gewährten Einblicke in die aktuellen und historischen Erfolge des Clubs. Am Nachmittag hatten wir noch einige Stunden Zeit zur freien Verfügung, um uns die Stadt genauer anzusehen.

 

Freitag

Am Abschlusstag fand die letzte praktische Einheit in der Halle statt. Nicht aber, weil das Wetter eine Einheit unter dem blauen Himmel nicht möglich machte, sondern weil heute eine ganz besondere Form unseres geliebten Sports präsentiert wurde. In einer riesigen Indoor-Sportanlage mit verschiedensten Hallen und Bereichen bekamen wir einen Einblick in die Welt des Futsals. Der Trainer der deutschen Futsal-Nationalmannschaft, Marcel Loosveld, absolvierte mit einer Gruppe eine Demo-Einheit und erklärte die Unterschiede zum normalen Fußballspiel und welche Chancen sich aus der Tochter-Sportart ergeben. Danach durften wir die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen.

Nach einer emotionalen Schlussreflexion organisierten wir in der freien Spielzeit ein Länderspiel gegen unsere deutschen Mitstreiter. In den einen oder anderen Situationen hielten wir gut mit und bereiteten unseren scheinbar übermächtigen Gegnern Kopfzerbrechen. Zum Abschluss der Woche ging es in ein typisches katalanisches Restaurant. Die großartige Atmosphäre bescherte dieser Reise einen würdigen Abschluss. Tolles Essen, emotionale Dankesreden, eine Flamenco-Vorführung und selbstorganisierte Showeinlagen rundeten den Abend ab und spiegelten die ausgezeichnete Stimmung der Woche wieder. Danach war es Zeit „Lebewohl“ zu sagen. Die Busse wurden befüllt und die Heimreise wurde angetreten. Bei der Heimreise habe ich mich gegen die ca. 20-stündige Busfahrt entschieden und buchte mir einen Flug Richtung Heimat.

 

Fazit der Woche

Beeindruckend, wie unsere deutschen Kollegen das Thema Ehrenamt honorieren und schätzen. Neben den sportlichen Inhalten standen die Wertschätzung und die Gesellschaft im Vordergrund. Der gemeinnützigen Organisation „Komm mit“, die die Reise organisiert hat, kann man nur große Bewunderung und höchsten Respekt aussprechen – es blieben keine Wünsche unerfüllt. Für mich ist es eine riesengroße Ehre, ein Teil dieser tollen Reise gewesen zu sein und ich möchte mich nochmals für diese Chance bedanken. Ich bin davon überzeugt, dass meine österreichischen Kollegen und ich unser Bestes gegeben haben, um diese Kooperation auch zukünftig so erfolgreich zu gestalten. Hoffentlich finden sich in den nächsten Jahren weitere Fußballhelden, die diese Reise antreten und viele lehrreiche Erkenntnisse für ihr Vereinsleben sammeln dürfen.

 

Foto: KOMM MIT