Die Wurzel im Fußballwesen

Die Wurzel im Fußballwesen

„Wer soll sich das noch antun?“ Diese Frage brennt vielen unter den Nägeln, wenn es um die Zukunft des ehrenamtlichen Funktionärswesens im Sport und damit auch im Fußball geht. Immer höhere Anforderungen, beinahe ausufernde Verantwortungsbereiche und komplizierte Rechtslagen zählen zu den oft genannten Argumenten, weshalb Verantwortliche sich teils nicht mehr in der Lage sehen, ihre volle Energie und Zeit in dieses Amt zu legen. „Es wird aber häufig übersehen, wie wichtig das Ehrenamt ist, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten“, weiß ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer.  

 

Doch wie dieser Problematik Herr werden? Im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der von OÖ FUSSBALLVERBAND und OÖ Gebietskrankenkasse veranstalteten Vereinscoaching-Tagung (HIER geht´s zum Bericht von der Veranstaltung) im Zirbenschlössl in Sipbachzell, moderiert von LT1-Sportchef Wolfgang Irrer, wurde versucht, nützliche Antworten für dieses zentrale Thema zu finden (HIER geht es zu einem TV-Beitrag von LT1 rund um die Podiumsdiskussion). Hollerer brachte einige Ideen auf den Punkt: „Eine Portionierung in kleinere Einheiten in den Vereinen, Schulungen und Informationen durch die Verbände, eine Strategie durch den ÖFB für bundesweite Angebote, bei denen die Funktionäre mehr im Mittelpunkt stehen, Vereinfachungen in den Gesetzen sowie Aufwandsentschädigungen für Schlüsselfunktionäre.“

 

Flächendeckende Hilfestellungen

Was heißt das nun konkret? „Wir sind in Gesprächen, um als ÖFB flächendeckend Hilfestellungen zu leisten“, erklärte Hollerer, der in dieser Hinsicht Oberösterreich als Vorreiter anführte. „Wenn wir das nicht machen, dann werden wir bald niemanden mehr haben, der sich ehrenamtlich engagiert“, warnte der ÖFB-Generalsekretär. „Die Anforderungen für Funktionäre wurden unglaublich hinaufgeschraubt“, weiß auch Andreas Zwettler, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von „Moore Stephens“. Speziell mit dem Vereinscoaching und zahlreichen weiteren Angeboten reagiert der OÖ FUSSBALLVERBAND auf diese Entwicklung und unterstützt die Funktionäre bei ihrem essenziellen Tun.

 

Anreize schaffen

Neben angesprochenen Hilfeleistungen durch die Verbände darf aber auch eine finanzielle Entschädigung der Verantwortlichen keinen Tabubruch mehr darstellen. „Es ist vielerorts selbstverständlich, dass Trainer und Spieler etwas kriegen, der Funktionär aber immer ehrenamtlich arbeitet. Der Schulterklopfer ist wichtig, aber zu wenig.  Es braucht eine Bewusstseinsbildung, wie herausfordernd und existenziell wichtig die Arbeit der Funktionäre ist – und dass gerade für diese Personen Anreize gesetzt werden müssen“, forderte OÖFV-Direktor Raphael Oberndorfinger. Sogenannte Schlüsselfunktionäre könnten in Form von Aufwandsentschädigungen, Gutscheinen, Ausflügen, etc. belohnt werden. „Oft finanzieren sich gute Schlüsselfunktionäre selbst“, verwies Oberndorfinger beispielsweise auf daraus resultierende Mehreinnahmen. So kann auch eine Professionalisierung des jeweiligen Vereins vorangetrieben werden. „Wir müssen dort hinkommen, dass Professionalisierung honoriert wird“, bestätigte Hollerer. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang allerdings die steuerrechtliche Lage. „Bei finanziellen Goodies für Vereinsfunktionäre ist man in der normalen Steuerpflicht drinnen“, warnte Steuerberater Zwettler. Bei Ausflügen dürften maximal 100 Euro pro Vereinsmitglied verwendet werden.

 

Aufgabenverteilung

Als wichtige Maßnahme zur Erleichterung und Entlastung gelten Struktur und Aufgabenverteilung im Verein. „Man muss die Aufgaben auf kleine Bereiche herunterbrechen“, empfahl Helmut Hüttmaier, der als Obmann des UFC Attergau das Tagesgeschäft eines kleinen Klubs aus der 1. Klasse kennt. „Wir haben beispielsweise fünf Personen, die für die Kantine zuständig sind“, schilderte Hüttmaier. Entscheidend sei auch immer, sich Ziele zu setzen und zu deklarieren, wo man als Verein hinwolle, sagte Leon Ries, DFB-Abteilungsleiter für Basisberatung und -entwicklung. Der DFB gehe etwa in die Vereine hinein, um sie in dieser Findungsphase zu unterstützen.

 

Die Zukunft des Funktionärswesens beschäftigt aber nicht nur die Vereine im Unterhaus, selbst die Klubs in der seit der Reform semi-professionellen 2. Liga mit nun 16 Teams sind teilweise betroffen. Laut Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer haben derzeit nur drei Vereine in der 2. Liga eine Rechtsabteilung. „Man muss sich die Frage stellen: Was kann man noch im Ehrenamt machen? Und was muss bereits im Hauptamt gemacht werden?“, sagte Ebenbauer.