Gewaltprävention im Nachwuchsfußball

Gewaltprävention im Nachwuchsfußball

Bei der Vereinscoaching-Tagung hat Dr. Rupert Herzog über Präventionsansätze zur Aggressionsbewältigung referiert. Der fachliche Leiter der Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ, der auch für einen kostenlosen Workshop gebucht werden kann, hat zu diesem Thema einen kurzen Essay verfasst.

 

Ein 13-Jähriger tritt auf einen am Boden liegenden Spieler und verletzt ihn schwer. Eltern stürmen nach dem Schlusspfiff aufs Spielfeld und prügeln sich. Trainer beschimpfen die kleinen Nachwuchsspieler und brüllen sie an. Wird die Gewalt auf und neben den Fußballplätzen tatsächlich immer brutaler und häufiger? Oder hat sich unsere Wahrnehmung geändert und werden wir aufmerksamer und sensibler für aggressive und gewalttätige Übergriffe?

Die gute Nachricht: alle verfügbaren Statistiken zeigen, dass langfristig gesehen körperliche Gewalt deutlich abnimmt. Die Entwicklung verläuft nicht geradlinig, es ist immer wieder ein auf und ab, in der Tendenz aber klar nach unten. Es besteht also kein Anlass zu dramatisieren. Aber auch nicht zur Verharmlosung, wie die einleitend erwähnten Beispiele zeigen.

 

Aggression: konstruktiv und/oder destruktiv?

Aggression ist zunächst immer eine Reaktion auf bedrohliche und Angst erzeugende Faktoren. Sie wird vor allem zur Abwehr von körperlichem Schmerz und von sozialer Ausgrenzung aktiviert. Aggression kann sich aber aufgrund von vor allem frühkindlichen Erfahrungen verfestigen. Insofern macht es Sinn, zwischen konstruktiver und destruktiver Aggression zu unterscheiden. Ohne die Energie und Kraft der Aggression wären wir nicht imstande, uns zu verteidigen und zu schützen, Bedrohungen und Übergriffe von anderen Menschen abzuwehren, uns Ziele zu setzen und sie zu verfolgen, unsere Träume zu verwirklichen, erfolgreich im Sport und im Job zu sein.  Wenn Aggression aber benützt wird, um andere zu schädigen, sie in Gewalt, Ausgrenzung und Feindseligkeit umschlägt, wird sie destruktiv. Destruktive Aggression verursacht großes und nachhaltig wirksames Leid. Es zerstört das Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen, sät Misstrauen, Rücksichtslosigkeit, Hass und neue Gewalt.

 

Von der Schuldzuweisung zur Verantwortungsübernahme

Gewalt und Ausgrenzung, übertriebener Eltern- und Trainerehrgeiz, Provokationen und versteckte und aggressive Fouls haben in der Nachwuchsarbeit nichts zu suchen. In schwierigen Situationen neigen wir dazu, anderen die Schuld zu geben. Das bringt uns aber bei Gewalt und aggressiven Handlungen nicht weiter. Verantwortlich für das soziale Miteinander in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind immer wir Erwachsenen. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir GEMEINSAM (Funktionäre, Trainer, Eltern, Spieler …) gegen Aggression und Gewalt auftreten. Wirksam sind wir nur in unserer Vorbildwirkung. Darin, wie offen, respektvoll, freundlich und höflich wir mit anderen tagtäglich umgehen.

 

Fairplay, Respekt und grüne Karte

Fußball als Teamsport mit seinem klaren Regelwerk ist eine wunderbare Möglichkeit, konstruktive Aggression zu entwickeln und zu stärken und destruktive Aggression abzubauen und als unsportlich abzulehnen. Fußball lebt vom Miteinander und vom gegenseitigen Respekt – unabhängig von der sozialen und geografischen Herkunft, von Geschlecht, Religion, Alter und Aussehen. Mit der Einführung der grünen Karte (mit der faires Spielen belohnt wird), Elternabenden, Gesprächsrunden mit Eltern, Trainern und Funktionären, Trainerfortbildungen und den Vereinscoaching-Angeboten ist der OÖ FUSSBALLVERBAND auf einem guten Weg, um Respektlosigkeiten und Feindseligkeiten am und neben dem Spielfeld einzudämmen und gute Bedingungen für ein respektvolles und faires Miteinander zu schaffen.