Mentaltraining zur Zielerreichung

Mentaltraining zur Zielerreichung

Der OÖ FUSSBALLVERBAND lädt seine Vereine im April zu zwei interessanten und kostenlosen Vereinscoaching-Veranstaltungen ein, für die noch Restplätze verfügbar sind. Am 11. April dreht sich in Wels alles um das Thema Teambuilding, drei Tage später gibt es in St. Florian einen Workshop zum Thema Mentaltraining.  Mentales Training ist die bewusste Nutzung der geistigen Potenz unseres Gehirns, um Ziele im Wettkampf zu erreichen. Alles was wir tun, hat seinen Ursprung in unseren Gedanken – und genau dort ist Mentaltraining der „Türsteher“, wie Experte Thomas Baumgartner, der den Workshop halten wird, in seinem Artikel schildert . . .

 

Der sogenannte Türsteher filtert Negatives heraus und lässt Positives hinein oder hinaus. Es geht um Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, innere Ruhe, Nervenstärke, Einstellung, Motivation, Willensstärke, Kreativität, Vorstellungskraft – um nur einige bekannte Begriffe aus unserer täglichen Trainingsarbeit zu nennen. Wer sich keine Ziele setzt, darf sich nicht zu wundern, wenn er ganz wo anders ankommt, als gedacht. Wer sich hingegen klare Ziele setzt, hat diese zwar noch lange nicht erreicht, weiß aber, wo er steht. Wer sich realistische Ziele setzt, sucht auch den Weg. Die kleinen Schritte, die Meilensteine und die Vision führen zum persönlichen Erfolg. Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg . . .

Wichtigste Voraussetzung
Wenn der Kopf im entscheidenden Moment nicht mitspielt, spielt auch der Körper nicht mit. Viele Sportler sind zwar körperlich topfit, zählen jedoch nicht zu den Gewinnern. Jeder Sportler hat mit regelmäßigem Mentaltraining die Möglichkeit, sich mental zu stärken. So sind schon viele Supertalente auf der Strecke geblieben, „ewig Zweitplatzierte“ jedoch schafften den Durchbruch. Die Zielsetzung ist die wichtigste Voraussetzung für einen Sportler. Viele Sportler können ihr Potential nicht richtig ausschöpfen, weil sie durch falsche bzw. fehlende Zielsetzung gehemmt werden. Es macht keinen Sinn, mit einem Pfeil auf eine weiße Wand zu schießen und anschließend eine Zielscheibe herum zu malen. Das Entscheidende ist, dass sich der Sportler ein glasklares Ziel setzen muss. Die realistische Zielsetzung und Analyse gelten als grundlegende Voraussetzungen für situations- und anforderungsgerechtes Handeln. Es ist undenkbar, dass ein Fußballer ohne Ziele lebt und handelt. Ziele sind erwünschte Endzustände, nach denen man sein Handeln richtet. Es gibt unendlich viele Ziele, die sich zum einen in ihrer Bedeutsamkeit unterscheiden, zum anderen darin, dass man sie sich für einen kurzen oder langen Zeitraum setzt.

Willen vs. Wunsch
Das realistische Setzen und Revidieren von Zielen sind also lebensbestimmende Abläufe. Das Erlernen von Zielsetzungsprozessen ist sehr bedeutsam: Zu hoch gesetzte Ziele können oft nicht erreicht werden und erzeugen Frustration. Oder umgekehrt, werden Ziele zu niedrig angesetzt, kann ebenfalls Ärger entstehen, wenn man im Nachhinein feststellt, dass viel mehr erreichbar gewesen wäre, hätte man sich doch nur ein ehrgeizigeres Ziel gesteckt. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen Willen und Wunsch. Beim Willen setzt man sich ein Ziel und macht sich differenziert Gedanken darüber, was man selbst Schritt für Schritt tun muss. Etwas zu wollen setzt also Eigeninitiative und Eigenleistung voraus und führt schließlich dazu, dass man sich einen Weg sucht, um das Ziel zu erreichen. Beim Wunsch hingegen hat man zwar ein Ziel vor Augen, unternimmt jedoch keinerlei aktive Schritte, um diesem Ziel näher zu kommen. Da es sich beim Wunsch zumeist um ein unrealistisches Ziel handelt, bleibt die Erfüllung oft lediglich dem Zufall überlassen.

Bilder im Kopf
Voraussetzung für eine realistische Zielsetzung ist das Abwägen aller Bedingungen, die für das Erreichen eine Rolle spielen. Man sollte seine Fähigkeiten und seinen derzeitigen Standort, den Start,  also genau kennen, um von dort aus seine Ziele planen zu können. Diese Strategie setzt voraus, dass man sich bei langfristigen Zielen auch Zwischenziele einbauen darf. Die Zwischenziele sollten dieselbe Wertigkeit haben wie die Hauptziele und ebenso einem ständigen Analyseprozess unterzogen werden. Jemand, der ein klares Ziel hat, hat ein konkretes Bild im Kopf – und das ist die wichtigste Voraussetzung für den sportlichen Erfolg. Wenn man sich vorstellt, dass man schon gewonnen hat, trägt das wesentlich zum Erfolg bei. Durch die gedankliche Vorstellung des Sieges verändert sich die Hirnchemie und dadurch auch die Körperchemie. Ressourcen, die einen Hochleistungen erbringen lassen, werden freigegeben.


Einbeziehung aller Sinne
Hier wird mit allen Sinnen gearbeitet (VKAOG): 

Visuell (Sehen): Ich sehe den Sieg auf der Anzeigetafel!

Kinästhetisch (Fühlen): Ich fühle die Kraft in mir!

Auditiv (Hören): Ich höre den Jubel des Publikums!

Olfaktorisch (Riechen): Ich rieche den Schweiß an meiner Kleidung!

Gustatorisch (Schmecken): Ich nehme den Salzgehalt meines Schweißes auf den Lippen war!

Das beste Beispiel hierfür ist der weltberühmte Tennisspieler Boris Becker, der bereits im Alter von 17 Jahren Wimbledon gewonnen hat. Bei einem Interview wurde er gefragt, wie er sich fühle. Und seine Antwort war: „Nicht viel anders als vorher, ich habe das Turnier schon mehrmals in meinem Kopf gewonnen.“ Es ist wichtig, als Sportler Ziele zu haben – daran besteht kein Zweifel. Aber genauso wichtig ist es, diese Ziele realistisch zu wählen und der jeweiligen Situation anzupassen. Es gibt verschiedene Modelle, eine Zielsetzung auszuarbeiten, damit die gesteckten Ziele auch erreicht werden.

 

Formulierung von Zielen
Ein Weg ist die SMART-Methode. Das Wort SMART setzt sich  aus den Anfangsbuchstaben fünf wichtiger Kriterien für eine erfolgreiche Planung und anschließende Umsetzung zusammen.

S =  Spezifisch:      ist ein konkretes, genau definiertes Ziel (Was wollen wir? Was will ich?)

M= Messbar:        messbare Größe definieren (Platzierung, Lage, Zeit,…)

A = Ausführbar:    sein Ziel aktiv verfolgen, Aktionen setzen (Trainieren, Üben, Kontrollieren)

R = Realistisch:    Ziele sollen erreichbar sein (Welche Ressourcen sind vorhanden?)

T = Terminiert:    genauer Zeitpunkt, konkrete Daten, hochgesteckte Ziele, Etappen festlegen

Für die richtige Formulierung von Zielen gibt es neben der SMART-Methode noch einige weitere Punkte, die beachtet werden sollten. Sätze sollten immer in der Gegenwart verfasst,  verneinende Worte vermieden werden. Auch auf Formulierungen wie „Ich möchte“ oder „Ich wünschte“ wird verzichtet, besser ist „Ich bin“ oder „Ich habe“. Wichtig ist noch, das Ziel so zu gestalten, dass es nicht von anderen Personen abhängig ist. Es sollte rein ich-bezogen sein und nur von einem selbst beeinflussbar sein. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Zeitpunkt für die Ausarbeitung von Zielen während eines Teamevents/Teambuildings ist.

Teambuilding idealer Zeitpunkt
Die ganze Mannschaft ist eng mit Trainern und Betreuern zusammen, im Laufe der gemeinsamen Tage wird der Fokus auf die neue Saison gelegt und somit kristallisiert sich ein wichtiger Bestandteil im Zusammenhang mit der Zielsetzung heraus: der Team-Gedanke. Fußball ist ein Mannschaftssport, die ganze Mannschaft soll in die Zielsetzung involviert sein. Gemeinsam wird ein entsprechender Plan auf einem Flipchart ausgearbeitet; und jeder Projektteilnehmer verewigt sich zum Schluss mit seiner Signatur. Dies dient der Bewusstwerdung, dass jeder einzelne Teilnehmer zum Gelingen, zum Erreichen der gesetzten Ziele beitragen muss. Zu guter Letzt wird der Plan samt Unterschriften gut sichtbar in der Kabine angebracht. In den meisten Fällen handelt es sich um Saisonziele. Daher ist es wichtig, diese zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Ein Ziel nicht zu erreichen, muss keinen Fehlschlag bedeuten. Es kann sein, dass Ziele nach unten hin korrigiert werden müssen, da es viele Gründe gibt, die uns am gesetzten Ziel scheitern lassen. Daher: Denke nicht an den Misserfolg, glaube an den Erfolg!

 

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