Motivation steigert die Leistung

Motivation steigert die Leistung

International renommierte Koryphäe  trifft Oberösterreichs Amateurfußball: Joachim Bauer beleuchtete bei der Vereinscoaching-Tagung in seinem Impulsvortrag das Problem des Leistungsdrucks, der Kindern oft von Trainern und Eltern auferlegt wird, aus der fundierten Perspektive der Neurowissenschaften.

 

„Vor allem Männer glauben, dass viel Druck mehr bringt“, schilderte der Deutsche, frei nach dem Motto: „Der Kleine muss Messi werden. Der Schuss geht aber nach hinten los.“ Ziele solle man sich zwar setzen, man dürfe den Bogen aber nicht überspannen. Denn: In Stresssituationen wird das Hormon Cortisol erzeugt. „Kurzer Stress hat eine gute Wirkung, aber Dauerstress ist nicht gut und birgt sogar ein Krankheits-Risiko“, erklärte Bauer. Vor allem das im Sport überaus häufig auftretende Overtraining-Syndrom kann daraus resultieren. „Wenn Eltern permanent mehr Druck machen, ist das eine ganz gefährliche Sache und Gift für die Entwicklung von Spielern“, warnte der Experte, der sich selbst bereits seit dem Kindesalter intensiv für Fußball interessiert. Eine ähnliche Gefahr bestehe, wenn sich Sportler selbst zu sehr unter Druck setzen würden.

 

Tipp für Trainer
Viel wichtiger sei es laut Bauer, Lust auf Leistungsbereitschaft zu entwickeln. Das funktioniere speziell mit Anerkennung, Zugehörigkeit, Vertrauen und einem Gemeinschaftsgefühl. In diesem Fall kreiert das Gehirn Botenstoffe, wodurch Motivation entsteht. „Das Hirn macht aus Psychologie Biologie“, erklärte Bauer. Das bedeute aber nicht, die Kinder verwöhnen zu müssen. „Das hat damit nichts zu tun“, stellte der gebürtige Tübinger klar. Im Gegensatz dazu kann auch das sogenannte Schmerz-System im Gehirn aktiviert werden – nämlich bei Mobbing und Ausgrenzung. Das äußert sich dann in Form von Depression oder Aggression. „Kein junger Sportler will verwöhnt, aber er will gesehen werden. Persönlicher Kontakt ist ganz wichtig“, empfahl der Neurowissenschaftler speziell den Trainern, einen guten Draht zu den Spielern zu entwickeln.

 

Große Wirkung der Körpersprache
Doch nicht nur Worte können weitreichende Folgen haben. Mimik, Gestik, Körpersprache, Auftreten – all das ist entscheidend und löst eine unbewusste Reaktion bei den Kindern aus. Als Beispiel nannte Bauer eine Gitarre, deren Saite man anspielt, was eine zweite Gitarre in unmittelbarer Nähe ebenfalls zum Schwingen bringt: „Diesen Mechanismus gibt es auch zwischen Menschen!“ Soll heißen: Positive Ausstrahlung, Begeisterung oder Freude können sich auf andere Menschen übertragen. Zugleich aber auch beispielsweise Schmerz, Nervosität, Unruhe oder Depression. „Ein Trainer kann seine Spieler mit seiner Ausstrahlung anstecken“, so Bauer. Auch das soll nicht bedeuten, negative Dinge zu verschweigen oder konstruktive Kritik völlig außen vor zu lassen. „Man kann klare Worte sprechen, aber wenn ein Spieler regelmäßig nur negative Resonanz bekommt, drückt ihn das immer mehr ins Problem hinein“, weiß Bauer. Die Kinder motivieren, aber nicht unter Druck setzen – es ist oft ein schmaler Grat für Trainer, aber auch Eltern im Umgang mit den potenziellen Fußballstars von morgen. Daher die wichtige Conclusio: „Positiv auf einzelne Spieler schauen und sie als Mensch sehen.“

 

 

Bei der Tagung wurde separat auch das Thema Aggressionsprävention behandelt – siehe HIER. Einen LT1-Beitrag zu beiden Themen mit Interviews der Experten gibt es HIER.