Teambuilding sorgt für positiven Effe(k)t

Teambuilding sorgt für positiven Effe(k)t

Eine Mannschaft braucht einen Zusammenhalt, um erfolgreich zu sein. Umso wichtiger ist ein guter Team-Spirit, der auf Training und Impulse basiert. Experte Thomas Dorner, der bei einem Vereinscoaching-Workshop zahlreiche Teilnehmer begrüßen durfte, zeigt einige  grundlegende Methoden auf.

So schnell geht es im Fußball: Eine kleine Unachtsamkeit in der Hintermannschaft zu Beginn des Spiels und schon hat man sich ein Tor eingefangen. Die folgenden Minuten sind reines Chaos. Nichts gelingt, die einfachsten Pässe kommen nicht an – der Gegner hingegen spielt sich in einen Rausch. Gerade als man diese Drangperiode zu überstehen scheint, schlägt ein Sonntagsschuss zum 0:2 ein. Womit ist im weiteren Spielverlauf zu rechnen? Hier zwei mögliche Szenarien:

Szenario 1
Alles geht den Bach runter. Die Beine fühlen sich schwer an. Die Spieler stehen mit hängenden Köpfen auf dem Platz und hadern mit dem Schicksal. Manche lassen den Frust an Mitspielern aus, machen sich gegenseitig Vorwürfe, schreien sich an. Im Zweikampf ist man einen Schritt zu spät, die zweiten Bälle gehen an den Gegner. Ein Spieler lässt sich zu einem Frustfoul hinreißen, kassiert die Gelbe und wandelt am Rande der roten Karte. Die taktischen Vorgaben werden über den Haufen geworfen, die Positionen nicht mehr gehalten. Die Kompaktheit der Linien geht verloren. Der Gegner kann Löcher reißen. Keiner opfert sich für den anderen auf, die Mannschaft bricht auseinander. In der Folge wird mit dem Schiedsrichter debattiert. Am Ende läuft man in ein Debakel und sehnt den Schlusspfiff herbei. Dass man sich „abschlachten“ ließ, wie es im Fußballer-Jargon heißt, erzürnt Fans und Medien und löst eine Trainerdiskussion aus. Der Trainer wiederum stellt den „Charakter“ der Spieler in Frage und kündigt an, im Kader auszumisten. Die Spieler denken ans Aufhören oder an einen Wechsel.

Szenario 2
Die Spieler schreien ihren Frust heraus, benennen lautstark die begangenen Fehler, unterbinden aber Vorwürfe aneinander. Man sieht aufmunternde Gesten und fordert sich gegenseitig auf, die Köpfe oben zu lassen. Die negativen Emotionen setzen Energien auf dem Platz frei. Die Zweikämpfe werden aggressiv geführt, die „Kampfschweine“ gehen die Extra-Meile und ziehen die anderen mit. Laufleistung und Arbeit gegen den Ball stimmen. Die Gefahr, das 0:2 schnell wettmachen zu wollen, aber hohes Risiko zu gehen und die Abwehr zu entblößen, wird abgewehrt. Die Mannschaft versucht durch sichere Pässe Selbstvertrauen zu gewinnen und wieder ins Spiel zu kommen. Jeder hält sich an die taktischen Vorgaben. Die Linien verschieben kompakt. Man sichert sich gegenseitig ab und geht weite Wege. Mit der Zeit gewinnt man Oberhand und setzt erste Nadelstiche. Das koordinierte Gegenpressing hinterlässt Wirkung und bringt den Gegner in Verlegenheit. Das schnelle Umschaltspiel erzeugt erste gefährliche Situationen.

Teamgeist macht den Unterschied
Der Unterschied zwischen diesen beiden konträren Szenarien liegt im mentalen und sozialen  Zustand des Teams. Ohne Teamgeist ist so ein Kraftakt nicht zu schaffen. Ein Team braucht einen Zusammenhalt, um erfolgreich zu sein. Deshalb muss das Trainerteam diese Team-Ebene im Auge behalten und für einen guten Team-Spirit sorgen. Wie andere Leistungsbereiche (Taktik, Kondition etc.), benötigt auch diese Ebene Training und Impulse. Hier ein paar grundlegende Methoden der erfolgreichen Team-Entwicklung. Die beste Teambuilding-Maßnahme sind Erfolge. Nur ist Erfolg nicht planbar. Sehr wohl aber die Voraussetzungen für Erfolg. Als eine dieser Voraussetzungen ist ein guter Teamgeist eine Folge der Teamfähigkeit jedes einzelnen Spielers und der gegenseitigen Unterstützung auf dem Spielfeld.

Team-Fähigkeit und Ziele
Deshalb ist eine der wichtigsten Teambuilding-Maßnahmen, in der Mannschaft zu definieren, was „Team-Fähigkeit“ konkret auf dem Platz bedeutet. Es geht nicht so sehr um psychologische Fragen des Umgangs miteinander, sondern um das gemeinsame taktische Verhalten im Spiel und um die tägliche Praxis eines teamfähigen Verhaltens. Damit ein Team so agieren kann wie in Szenario 2, braucht es nicht nur eine gute Chemie, sondern eingespielte Routinen und Mechanismen, die im Training immer wieder eingeübt werden. Die Ziele für ein Fußball-Team sollten nicht nur von den Vereinsverantwortlichen kommen, sondern auch von den Spielern selbst. Sie sollten nicht nur „quantitativ“ sein (ein bestimmter Tabellenrang am Ende der Saison), sondern vor allem qualitative Aspekte beinhalten. So könnte die Mannschaft aus Szenario 2 in einem Team-Ziele-Workshop folgende Vereinbarung getroffen haben: jeder Spieler verpflichtet sich, im Falle eines Rückstandes im Spiel die Verhaltensweisen aus Szenario 1 zu unterlassen und stattdessen genau jene Dinge auf dem Platz zu zeigen, die im Szenario 2 dazu geführt haben, dass das Team sich wieder aneinander aufrichtet. So einen „Verhaltenskodex“ kann es sowohl am als auch außerhalb des Spielfeldes geben.

Konfliktlösung und Aktivitäten
Wenn in einem Team ein Konflikt vorliegt (was in jeder Mannschaft vorkommen kann), und dieser Konflikt die Leistung auf dem Platz beeinträchtigt, ist eine Teamsitzung zur Bearbeitung dieses Konfliktes angesagt. Offen darüber zu reden, was einen stört, und Lösungen im Team zu finden, stärkt letztlich die sogenannte Konfliktkultur und die Kompetenzen des Teams, mit schwierigen Situationen umzugehen. Als Auflockerung zwischendurch sind gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse ein guter Impuls, um den Zusammenhalt zu fördern. Es muss ja nicht immer gleich der Klettergarten sein oder der gemeinsame Gang über glühende Kohlen. Gemeinsame Ausflüge oder spielerische Übungen können den Team-Spirit heben. Team-Übungen, in denen man eine Herausforderung bewältigt, die einer allein nicht schafft, erzeugen ein Gruppen-Gefühl nach dem Motto „Wir sind stärker als ich!“ und fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Rituale und Musik
Dieses Wir-Gefühl kann durch ein Ritual vor dem Spiel aktiviert werden, um sich gemeinsam auf die Herausforderung „heiß zu machen“. Ebenso kann der nach einem Spiel gebildete Kreis die aufopferungsvolle Team-Leistung würdigen und für zukünftige Spiele „speichern“. Beliebt geworden ist es auch, sich durch motivierende Musik gemeinsam auf ein Spiel einzustimmen – was eine wirkungsvolle Maßnahme sein kann, sofern sie nicht das Konfliktpotenzial birgt, dass eine Hard-Rock-Gemeinde einer Helene-Fischer-Fraktion unversöhnlich gegenübersteht. Diese und noch mehr Maßnahmen gehören zum Repertoire eines Teambuildners, der als wichtiger Puzzlestein dazu da ist, das Trainerteam zu unterstützen.