Tipps für die Veröffentlichung von Fotos

Tipps für die Veröffentlichung von Fotos

Dr. Richard Hargassner ist Richter am Obersten Gerichtshof. Sowohl durch seine Tätigkeit als Vizepräsident beim OÖ FUSSBALLVERBAND und als Mitglied des ÖFB-Rechtsmittelsenats als auch aus zahlreichen Vortragsveranstaltungen kennt er die rechtlichen Bedürfnisse von Vereinen. Seine Erfahrungen fließen in das neu erschienene Handbuch für Vereinsfunktionäre ein, das ein wertvoller vereinsrechtlicher Ratgeber für Ehrenamtliche ist. Detaillierte Infos zu den Inhalten und zum Erwerb des Buches finden Sie HIER. Dr. Hargassner wird übrigens auch bei der Vereinscoaching-Tagung am 9. Februar zu seinem Fachgebiet referieren - Anmeldungen für den kostenlosen Workshop sind HIER möglich. In der Folge finden Sie praktische Hinweise für die Veröffentlichung von Fotos im Verein . . .

 

 

Will ein Verein zum Beispiel Fotos von einer Veranstaltung auf seiner Website veröffentlichen, hat er es plötzlich mit Fragen aus dem Bereich des Urheberrechts, der Persönlichkeitsrechte und dem Datenschutz zu tun. Mit den folgenden Ausführungen soll ein grundsätzliches Bewusstsein dafür geschaffen werden, was dabei zu beachten ist.

Urheberrecht des Fotografen

Jedem Fotograf steht das gesetzliche Urheberrecht an dem von ihm gemachten Foto zu. Eine Veröffentlichung dieses Fotos erfordert daher zunächst das Einverständnis des Fotografen.

Allgemeines Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten

Grundsätzlich hat jeder, der auf einem Foto abgebildet ist, das sogenannte „Recht am eigenen Bild“. Es besteht darin, dass Bilder von Personen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen, wenn dadurch berechtigte Interessen des Abgebildeten oder, falls er gestorben ist, ohne die Veröffentlichung gestattet oder angeordnet zu haben, eines nahen Angehörigen verletzt würden. Dabei sind auch der mit dem veröffentlichten Bild zusammenhängende Text und der Gesamtzusammenhang der Veröffentlichung zu berücksichtigen.

Berechtigte Interessen eines Abgebildeten werden etwa dann verletzt, wenn von ihm ohne Zustimmung ein Bild verbreitet wird, das entwürdigend, herabsetzend, ent- bzw. bloßstellend wirkt, wenn dadurch das Privatleben (Intimsphäre) der Öffentlichkeit preisgegeben wird oder ein Bild für Werbezwecke verwendet wird.

Der Begriff der Öffentlichkeit ist weit auszulegen und umfasst  jede Verbreitungshandlung, bei der damit zu rechnen ist, dass das Bildnis dadurch einer Mehrzahl von Personen sichtbar gemacht wird.

Ob die Veröffentlichung eines Bildes zulässig ist, hängt davon ab, ob nach objektiven Gesichtspunkten schutzwürdige Interessen des Abgebildeten entgegenstehen. Da meist schwer beurteilt werden kann, ob die Veröffentlichung eines Bildes jemanden verletzen könnte, sollte in jedem Fall die Zustimmung des Abgebildeten eingeholt werden. Für diese Zustimmung ist keine bestimmte Form vorgeschrieben. Die Einwilligung kann mündlich oder schriftlich, ausdrücklich oder durch schlüssiges Verhalten erfolgen. Ein bloßes „In-Kauf-Nehmen“ genügt nicht. Wer also damit rechnen muss, mit auf eine Aufnahme zu geraten und sich dennoch nicht entfernt, erklärt damit noch nicht seine Einwilligung. Eine Einwilligung wird vermutet, wenn sich eine Person im Bewusstsein fotografiert zu werden ins Bild drängt oder bewusst vor der Kamera posiert (so etwa bei Mannschaftsfotos).

Werden Spiele oder Wettkämpfe vor Publikum ausgetragen und sind sie ihrem Charakter nach öffentliche Veranstaltungen, so wird auch hier die Veröffentlichung von Aufnahmen regelmäßig zustimmungsfrei sein. Wichtig ist, dass der Abgebildete nicht als Individuum herausgestellt, sondern als Mitglied der Gruppe oder Teilnehmer der Veranstaltung abgebildet wird. Zulässig sind deshalb Bilder, die das Geschehen wiedergeben, unzulässig jedoch Porträtaufnahmen von Teilnehmern.

Eine Veröffentlichung von Personenfotos ohne Einwilligung des Abgebildeten ist auch dann erlaubt, wenn etwa Prominente im Rahmen einer Berichterstattung über aktuelle Ereignisse oder Personen auf öffentlichen Versammlungen (z.B. Faschingsumzug) abgebildet werden beziehungsweise wenn Personen lediglich Beiwerk eines Hauptmotivs (z.B. Foto einer Sehenswürdigkeit, wobei sich im Vordergrund Menschen befinden) sind. Unbedingt zu berücksichtigen ist aber immer das oben beschriebene allgemeine Persönlichkeitsrecht!

Minderjährige

Kinder unter 14 Jahren können in der Regel keine wirksame Zustimmung geben. Diese kann – so die herrschende Meinung – auch nicht durch die Zustimmung der Eltern ersetzt werden! Die Veröffentlichung eines Fotos darf, sollte eine Zustimmung des Kindes nicht möglich sein, also nur dann erfolgen, wenn dadurch berechtigte Interessen des Minderjährigen nicht verletzt werden.

Praxistipp: Der Verein sollte mit den Eltern von Minderjährigen im Zuge der Aufnahme in den Verein ein klärendes Gespräch führen und dabei klar darlegen, welche Fotos von den Kindern gemacht und wozu sie verwendet werden. Wenn – wie üblich – Fotos im Rahmen von Trainings, Wettkämpfen oder sonstigen Vereinsveranstaltungen gemacht und diese dann auf der Vereinshomepage oder in der Vereinszeitung veröffentlicht werden, sollte dies dann kein Problem sein.

Zustimmung in der Beitrittserklärung

Es ist möglich, bereits im Aufnahmeantrag (Beitrittserklärung, Mitgliedsantrag) für Neumitglieder einen Hinweis aufzunehmen, dass im Rahmen von Vereinsveranstaltungen, an denen das Mitglied teilnimmt, Foto- und Filmaufnahmen gemacht werden und das Mitglied seine Einwilligung erteilt, diese Aufnahmen im Rahmen der Berichterstattung über dieses Ereignis in der Vereinszeitschrift und im Internet (auf der Homepage des Vereins) zu verwenden.

Datenschutz

Das Datenschutzrecht regelt die Verarbeitung von personenbezogenen Daten von natürlichen Personen, wozu auch Fotos gehören, enthält aber keine speziellen Regelungen zur Anfertigung und Verwendung von Fotos. Grundsätzlich ist jede Datenverarbeitung verboten, es sei denn, dass eine konkrete Rechtsgrundlage die Datennutzung erlaubt. Hier kommt daher zum einen die Einwilligung des Abgebildeten in Betracht, zum anderen der (komplexe) Bereich des „berechtigten Interesses unter Abwägung der Position des Fotografen/Veranstalters/Fotonutzers und des Abgebildeten“.

Mit der Zustimmung zum Vereinsbeitritt – bei Minderjährigen durch ihre gesetzlichen Vertreter –  dürfen auch die erforderlichen (nicht sensiblen) Daten der Minderjährigen erhoben und zum Beispiel an Dachverbände weitergegeben werden, um Lizenzen oder Spielerpässe ausstellen zu lassen. Gleiches gilt für Ergebnislisten, die zur Wahrung berechtigter Interessen des Vereins veröffentlicht werden dürfen. Wegen der zunehmenden Sensibilisierung der Gesellschaft im Hinblick auf die Veröffentlichung von Daten im Internet, sollte aber in diesen Fällen in der Regel vorher besser die Zustimmung der Eltern eingeholt werden.

Macht ein Fotograf bei einer vereinsinternen Veranstaltung (z.B. Vereinsmeisterschaft) Fotos, dann kann durchaus davon ausgegangen werden, dass der Verein ein berechtigtes Interesse daran hat, die Bilder auf die Website zu stellen und durch Archivierung zu verarbeiten.

Im Sinne einer fairen, transparenten und nachvollziehbaren Verarbeitung wird es aber notwendig sein, die betroffene Person über die Verarbeitung ausreichend im Vorfeld einer Veranstaltung  in Kenntnis zu setzen und umfassend (siehe HIER) zu informieren.

Bei Einladungen zu Veranstaltungen sowie im Eingangsbereich oder bei der Kassa sollte der Verein als Veranstalter daher einen Hinweis geben, aus dem der Zweck und der Verantwortliche hervorgehen und der auf die Datenschutzinformation hinweist.

 


 

Zusammenfassung:

Sichern Sie sich das Einverständnis des Fotografen!

Holen Sie bereits beim Vereinsbeitritt die Einwilligung des Vereinsmitglieds ein, Fotos auf der Vereinshomepage etc. veröffentlichen zu dürfen!

Veröffentlichen Sie keinesfalls Fotos, die entwürdigend, herabsetzend, ent- bzw. bloßstellend wirken, wenn dadurch das Privatleben (Intimsphäre) der Öffentlichkeit preisgegeben wird oder ein Bild für Werbezwecke verwendet wird!

Wollen Sie ganz sicher gehen, dann geben sie bei Einladungen zu Veranstaltungen sowie im Eingangsbereich oder bei der Kassa einen Hinweis darauf, dass Fotos gemacht werden und wo diese veröffentlicht werden und legen Sie eine Datenschutzinformation offen!