Vorsicht auf den Kopf: Es ist das Hirn drin!

Vorsicht auf den Kopf: Es ist das Hirn drin!

Das Ziel des Fußballspiels ist es, Tore zu schießen. Nicht aber, den Kopf des Gegners zu treffen und ihn k.o. zu schlagen. Trotzdem kommt es leider oft zu Verletzungen im Bereich des Kopfes. Unfallchirurg Dr. Ernst Foltin weist auf die Gefahren hin, gibt wertvolle Tipps und skizziert den Weg zurück zum Comeback.

 

Eine Statistik weist aus, dass nur zehn Prozent der Verletzungen beim Fußballspiel den Kopf betreffen: Ein Spieler kann unglücklich mit dem Kopf an der Torstange anschlagen. Er kann zu Sturz kommen und mit dem Kopf aufschlagen. Er kann von einem anderen Spieler am Kopf getroffen werden, zum Beispiel mit Knie oder Ellbogen. Bei einem Kopfballduell können schon einmal die Köpfe aneinanderstoßen. Ein Ball kann den Kopf eines Spielers treffen, der nicht darauf gefasst ist. Ob Kopfbälle für sich allein eine Gefahr für das Gehirn darstellen, konnte bis dato nicht definitiv festgestellt werden. Eine stärkere Kopfprellung oder eine Gehirnerschütterung bleiben meistens folgenlos. Aber manchmal eben nicht. Auch auf diesem Gebiet hat die Medizin Fortschritte gemacht. Man weiß heute, dass nach solchen Verletzungen Beschwerden bleiben können, die nicht oder erst nach langer Zeit zurückgehen. Noch schlimmer ist, dass auch nach Jahren Folgeschäden am Gehirn auftreten können, die das Leben des Betroffenen massiv beeinträchtigen: Vergesslichkeit, Konzentrationsunfähigkeit,  Gemüts­störungen bis hin zu Depressionen, die im schlimmsten Fall bis zum Selbstmord führen können.

 

Wichtige Punkte

Das ist Grund genug, eine Kopfprellung oder eine Gehirnerschütterung ernst zu nehmen. Früher hat es geheißen: " Nicht wehleidig sein und weiterspielen." Aber machen wir denn sonst auch alles so wie früher? Haben wir uns nicht daran gewöhnt, ein Handy zu benutzen oder uns im Internet zu informieren? Das haben wir doch früher auch nicht gemacht - und heute ist es ein fixer Bestandteil in unserem Alltag. Und so selbstverständlich sollte es auch werden, eine Kopfprellung oder eine Gehirnerschütterung ernst zu nehmen. Ernst nehmen heißt Bescheid wissen. Für jemanden, der eine Kontaktsportart betreibt, sind folgende Punkte wichtig:

  • Eine Gehirnerschütterung oder Kopfprellung kann eine Verletzung des Gehirns sein. Eine Selbstbehandlung ist in diesem Fall nicht angebracht. Stattdessen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ob eine Bewusstlosigkeit zu beobachten war oder nicht, macht keinen Unterschied.
  • Der Unfall resultiert meistens aus einem Schlag gegen den Kopf. Aber auch eine starke Beschleunigung oder Verzögerung, die auf den Kopf wirkt, kann im Hirn Schaden anrichten. Eine Wunde, Abschürfung oder Schwellung am Kopf müssen daher nicht zwingend gegeben sein.
  • Der Betroffene klagt nach dem Unfall über Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen, Hörstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Reizbarkeit, Verwirrtheit. Nicht alle diese Symptome müssen vorhanden sein.
  • Einem aufmerksamen Betreuer fallen auf: Gleichgewichtsstörungen, undeutliche oder verlangsamte Sprechweise, Unkonzentriertheit, verzögerte Antworten auf einfache Fragen, ein ausdrucksloser leerer Blick, unverständliche "Fehler" beim Sport, unpassendes Verhalten, nicht einfühlbare Gemütsregungen. Auch hier gilt: Es müssen nicht alle Zeichen gleichzeitig zu beobachten sein.
  • Wenn ein Betroffener eine länger dauernde Bewusstseinsstörung hat, dann liegt eine schwere Verletzung vor. Das ist eine Indikation für die Alarmierung der Rettung, während Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden sollen. Der Patient ist in eine stabile Seitenlagerung zu bringen und Puls und Atmung zu beobachten. Dabei ist zu beachten, dass eine Verletzung der Wirbelsäule vorliegen kann.
  • Was tun, wenn es passiert ist? Der betroffene Sportler muss den Wettkampf oder das Training unterbrechen und soll am selben Tag keinesfalls weitermachen, außer es liegen wirklich keinerlei Symptome oder Zeichen der Gehirnerschütterung vor (siehe Punkt 3 und 4). Der Betroffene soll nicht allein gelassen werden, denn sein Zustand kann sich plötzlich verschlechtern. Wesentlich sind die Fragen: Wann war der Unfall? Wann trat eine Verschlechterung ein? Ein Arzt sollte den Verletzten so bald wie möglich sehen. Schriftliche Aufzeichnungen über den Unfallzeitpunkt und den weiteren Verlauf sind hilfreich.
  • Wann darf der Sport wieder ausgeübt werden? Das ist keine Ja-Nein-Entscheidung. Die Wiederaufnahme der sportlichen Tätigkeit soll schrittweise erfolgen. Bei Beschwerdefreiheit kann die Belastung um einen Schritt gesteigert werden. Wenn Beschwerden auftreten, muss die Belastung um einen Schritt zurückgenommen werden. Eltern, Trainer, Mitspieler und der Sportler selbst müssen wissen, dass die Erholung je nach Ausmaß des Traumas unterschiedlich lange dauert. Der Belastungsaufbau erfolgt daher individuell, fixe Zeitvorgaben sind nicht sachgemäß. Der frühestmögliche Zeitpunkt für die Beteiligung an einem Wettkampf ist aber eine Woche nach dem Unfall.

 

Der Weg zurück

Schritt 1: Ruhe in jeder Hinsicht. Keine körperlichen Belastungen, kein Stress, keine Aufregung. Keine geistigen Beanspruchungen, nicht Lesen, nicht Fernsehen. Bettruhe ist nur anfangs zu empfehlen.

Schritt 2: Gehen, Übungen am Heimtrainer, Schwimmen, Radfahren. Tätigkeiten, die Aufmerksamkeit, Verständnis, Gedächtnis, also geistige Fähigkeiten erfordern, können wieder aufgenommen werden.

Schritt 3: Steigerung der sportlichen Aktivitäten. Beginn mit Laufen.

Schritt 4: Training mit Ball, Laufen mit raschen Richtungswechseln, aber weiterhin Vermeiden von Körperkontakt. Erst nach ärztlicher Beratung sollte die Belastung auf Schritt 5 gesteigert werden.

Schritt 5: Wiederaufnahme des normalen Trainings.

Schritt 6: Wettkampf.

 

Kinder noch empfindlicher
Es gibt einige Umstände, unter denen diese schrittweise Wiederaufnahme der sportlichen Tätigkeit noch langsamer erfolgen sollte. Kinder und Jugendliche sind empfindlicher, sollten daher länger als eine Woche pausieren. Personen, die in den letzten Monaten bereits einmal eine Gehirnerschütterung hatten, sollten einige Wochen nicht am normalen Training teilnehmen. Bei wiederholten Gehirnerschütterungen ist es ernsthaft zu überlegen, eine Kontaktsportart aufzugeben.

 

Zum Abschluss noch eines: Ohne Verletzungen macht Fußballspielen mehr Spaß. Verletzungen vermeiden ist besser als heilen . . .