„Das hat mich unglaublich beeindruckt . . .“

„Das hat mich unglaublich beeindruckt . . .“

Bei der Vereinscoaching-Tagung hat mit Stefan Gogg der Breitenfußball-Leiter des ÖFB über die Rolle des Verbandes als Berater und Unterstützer der Amateurklubs referiert (HIER geht´s zu den Präsentationsunterlagen), um anschließend in einem Interview über die zentralen Herausforderungen, mögliche Lösungsansätze und das aufkeimende Thema efootball zu sprechen.

 

 

Ein turbulentes Fußballjahr im Zeichen der Corona-Pandemie liegt hinter uns und alles wartet auf den Neustart im Amateurfußball. Wie würdest du in ein paar Sätzen die letzten Monate Revue passieren lassen?

SG: „Das Jahr war natürlich auch für uns als Verband ein unglaublich herausforderndes. Viele unserer gewohnten Abläufe und organisatorischen Rahmenbedingungen waren plötzlich anders und wir mussten uns in vielen Arbeitsbereichen neuorientieren, um möglichst rasch als Lokomotive für unsere Mitglieder in der Krise voranfahren zu können. Auf der anderen Seite bist du natürlich auch von ständig wechselnden Verordnungen abhängig und dadurch auch teilweise immer wieder Passagier. Dennoch war es uns wichtig, stets gute Lösungen für unsere Mitglieder zu suchen. In dieser Rolle sehen wir uns nach wie vor.“

 

Du hast von Neuorientierung gesprochen, kannst du uns ein Beispiel nennen?

SG: „Durch den Lockdown war ein persönlicher, physischer Kontakt mit den Vereinen leider nicht mehr möglich. Dennoch war es uns wichtig, die aktuellen Sorgen und Problemfelder der Funktionär/innen, Nachwuchsleiter/innen und Trainer/innen zu kennen. Darüber hinaus wollten wir Lösungsansätze mit den Vereinen diskutieren. Durch die Unterstützung unseres Sponsors Coca-Cola war es dann möglich in mehreren Bundesländern eine digitale Vereinsberatung anzubieten, in der Kolleginnen und Kollegen der Landesverbände und des ÖFB über Videokonferenzen fast täglich mit den Vereinsvertretern in Kontakt waren – ein riesiger Mehrwert! Ich habe dabei stets bei allen Diskussionen einen großen Zusammenhalt innerhalb der Fußballfamilie erlebt, das hat mich unglaublich beeindruckt.“

 

Schauen wir in die Gegenwart. Du hast in deinem Impulsvortrag von den zukünftigen Herausforderungen unserer Vereine gesprochen. Welche Sorgen beschäftigen aktuell unsere Vereine?

SG: „Aktuelle Rückmeldungen der Vereinsverantwortlichen verdeutlichen wie wichtig eine klare sportliche Perspektive für alle Beteiligten für die kommenden Wochen ist. Weiters äußern viele die Sorge, Aktive, Trainer/innen und auch Funktionär/innen durch die Corona-Pandemie als Mitglieder zu verlieren. Auf das wollen wir uns natürlich vorbereiten und Lösungsansätze anbieten.“

 

Welche Lösungsansätze siehst du, die den Vereinen helfen können diesen Problemen entgegenzuwirken?

SG: „Ich glaube, dass es wichtig ist zu verstehen, dass wir auch unabhängig von der Corona-Pandemie neuen Herausforderungen in unseren Fußballvereinen gegenübergestanden hätten. Das hat sich natürlich jetzt durch die Krise zusätzlich verschärft. Aber auch davor haben wir schon über neue Wege und zusätzliche Angebote diskutiert, die jetzt noch mehr zum Schlüssel werden, die angesprochenen Herausforderungen als Verein bestmöglich meistern zu können und vielleicht vereinzelt sogar gestärkt im Rückblick aus der Corona-Krise hervorzukommen.“

 

Kannst du Beispiele nennen?

SG: „Als Verein ist es wichtig sich bewusst zu sein, welche Zielgruppen für mich in der aktuellen Situation und auch zukünftig relevant sind. Zwei Beispiele: Geht es um die Zielgruppe der Funktionär/innen und Trainer/innen, werde ich mir als Verein über diverse neue Spiel- und Trainingsmöglichkeiten für über 30-Jährige Gedanken machen müssen. Möchte ich auf der anderen Seite mehr Kinder in den Verein bringen und anschließend möglichst lange im Verein halten, werde ich als Verein mehr Angebot im Bereich kleiner Wettbewerbsformen wie zum Beispiel 2er und 3er Fußball schaffen müssen. Die Zielsetzung kann dabei natürlich von Verein zu Verein unterschiedlich sein.“

 

Welche Rolle kann aus deiner Sicht der Verband im Zusammenhang mit den kommenden Herausforderungen spielen?

SG: „Einerseits wollen wir unseren Mitgliedern speziell in der aktuellen Phase als erster Ansprechpartner bei allen Anliegen zur Seite stehen. Andererseits wollen wir den Vereinen helfen, sich auf die Zeit nach Corona vorzubereiten und Entwicklungsfelder zu erkennen. Dazu gehören viel Kommunikation und ein gewisses Maß an Vertrauen. Wir wollen Ideen und Lösungsansätze teilen und die Interessen unserer Mitglieder auf politischer Ebene vertreten. Wenn wir das schaffen, bin ich davon überzeugt, dass wir gemeinsam auch gestärkt aus der Krise herauskommen können.“

 

In deinem Vortrag hast du auch kurz das Thema efootball angesprochen. Ist es nicht genau in der aktuellen Situation kontraproduktiv, das Thema aktiv als Verein zu unterstützen?

SG: „Ich bin davon überzeugt, dass man auch bei diesem Thema nicht schwarz oder weiß denken sollte.  Man muss sich Gedanken machen, wie man sich als Verein die Situation, dass aktuell viele Kinder und Jugendliche auf der Konsole Fußball spielen, auch zu Nutze machen kann. Ich selbst halte nichts von reinen efootball-Turnieren in der Vereinskantine, aber eine Kombination aus efootball und aktivem Spielen auf dem Sportplatz kann ich mir sehr gut vorstellen. Man sollte sich diesen neuen Themen als Verein definitiv nicht verschließen.“

 

Abschließend: Alle Vereine sehnen sich nach einer Perspektive, du kannst wahrscheinlich auch nicht in die Glaskugel schauen, aber wann glaubst du werden wir alle wieder auf den Sportplatz zurückkehren können?

SG: „Ich denke, dass der Fußball bereits nach dem ersten Lockdown gezeigt hat, dass er in der Lage ist, mit der Situation gewissenhaft umzugehen. Daher würde ich mir für alle unsere Mitglieder wünschen, dass wir das auch jetzt wieder so rasch wie möglich unter Beweis stellen können. Dafür werden wir uns einsetzen und hoffen, dass wir im März wieder mehr Möglichkeiten für unsere Vereine bekommen.“