Das Gerüst des Verbandes

Das Gerüst des Verbandes

Im September 2021 findet die nächste ordentliche Hauptversammlung des OÖ FUSSBALLVERBANDES statt, bei der die Wahl des Präsidiums der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung ist. Doch es gibt noch zahlreiche weitere ehrenamtliche Funktionäre, die in Referaten und Gremien wichtige Arbeit leisten. Stellvertretend für die anderen Kollegen gewährt ein Sextett Einblicke in die vielfältigen Aufgabenbereiche, generelle Entwicklungen und ihre Motivation . . .

 

Josef Ruschak (Gruppenobmann)

Als ich im Jahre 2002 die Funktion des Gruppenobmannes der Bezirksliga West übernommen und meine ersten Schritte im Verbandswesen gemacht habe, wusste ich schnell, dass ich mich in dieser Aufgabe wohlfühlen werde. Man ist immer im Kreise vieler junger Menschen, die sich zum Wohle unseres Fußballs in Oberösterreich mit vollem Einsatz engagieren. Ich arbeite auch mit vielen mir bekannten ehemaligen Aktiven zusammen, die nun leitende Funktionen in Vereinen übernommen haben. Dazu kam das Interesse für unsere jungen Menschen die Möglichkeit zu schaffen, ihren Lieblingssport Fußball ausüben zu können. Um einen geordneten Spielablauf zu gewährleisten sind im Frühjahr und Herbst entsprechende Gruppensitzungen abzuhalten um die Bestimmungen des Verbandes an die Vereine weiter zu geben und als Bindeglied zwischen Verband und Verein da zu sein.

 

Jede Minute ist es wert, die man sich für diese Aufgabe zur Verfügung stellt, weil man hier Gemeinschaft erleben kann und einen Beitrag für ein gutes Miteinander leisten kann. Die Funktion ist im Laufe der Zeit vielschichtiger geworden und oft nicht mehr so einfach zu „handeln“ wie in früheren Jahren. Man bringt seine eigenen Ideen und Anregungen ein – wichtig ist aber, auf die Meinungen und Wünsche der Vereine einzugehen und sie auch entsprechend zu unterstützen. Natürlich wird man nicht allem gerecht werden, aber in den meisten Fällen münden die gemeinsamen Bemühungen in guten Entscheidungen, die uns zusammen weiterbringen. Man wird immer wieder zur Erkenntnis kommen, dass wir nur gemeinsam die anstehenden Problemfelder lösen können.

 

Agnes Prammer (Mitglied Kontroll- und Meldereferat)

Der Hauptbereich meiner Tätigkeit betrifft die Entscheidung über Vereinswechsel im Amateurbereich. Wenn es dabei zu Konflikten kommt, werden die Fälle mündlich vor dem Kontroll- und Meldereferat verhandelt. Die meisten strittigen Fälle gibt es jeweils rund um die Übertrittszeiten. Wir versuchen in erster Linie, einvernehmliche Lösungen zu vermitteln. Dabei ist es wichtig, Verständnis für den Sport und die Strukturen zu haben. Gerade in letzter Zeit ist es aber immer häufiger der Fall, dass Streitparteien mit Anwälten zur Verhandlung kommen. Da kommt mir natürlich meine juristische Ausbildung sehr zugute. Ich sehe in der Tätigkeit im Verband eine gute Möglichkeit, dem Sport etwas zurückzugeben.

 

Peter Repa (Nachwuchs-Regionsleiter)

Hauptaufgabe ist die organisatorische Abwicklung der kompletten Nachwuchsmeisterschaften, insbesondere die Ligen-Einteilungen nach sportlichen und geografischen Aspekten in enger Absprache mit den Vereinen, sowie Spielabsagen beziehungsweise Neuterminisierungen. Als Regionsleiter ist man Ansprechpartner und erste Schlichtungsstelle der Vereine bei Problemen, egal ob vereinsintern, mit anderen Vereinen oder Schiedsrichtern. Ich unterstütze den Vorsitzenden der Kommission Sport und bereite innovative Vorschläge der Vereine zur Verbesserung des Spielbetriebes auf, um diese den zuständigen Gremien des OÖFV und des ÖFB vorzulegen. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Mitarbeitern des OÖFV bei der Abwicklung verbandsinterner Veranstaltungen. Die größte Änderung erfolgte aufgrund der Forcierung der serviceorientierten Ausrichtung des OÖFV in der Zusammenarbeit mit den Vereinen, von denen jeder seine Standpunkte und Verbesserungsvorschläge einbringen kann.

Der Zeitaufwand  bewegt sich im Jahresschnitt um die 10 Stunden pro Woche, wenngleich die Arbeit um einiges zeit- und kommunikationsintensiver wurde, nicht zuletzt aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge und des immer größer werdenden Angebots an alternativen Sportangeboten. In den letzten Jahren hat der Fußball bravourös eine wertvolle gesellschaftspolitische und soziale Arbeit im Integrationsbereich geleistet, gleichzeitig stiegen leider aber auch die Vorfälle mit rassistischem Hintergrund an. Der Fußball begleitet mich jetzt fünfzig Jahre als Spieler, Trainer und Funktionär. Durch ihn habe ich viele wunderbare sportliche Momente erleben dürfen und habe unzählige Freundschaften geschlossen. Durch meine Tätigkeit kann ich dem Sport einiges zurückgeben, da er meinen Charakter zu einem nicht unerheblichen Teil in die richtige Richtung beeinflusst hat.

 

Karl Finzinger (Referatsleiter Schiedsrichterbeoachtung)

Als Beobachtungsreferent bin ich für die Beobachtungen der oberösterreichischen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter verantwortlich. Besonders stolz bin ich auf unsere 21 Beobachter, die für die Weiterentwicklung unserer Referees sorgen. Dadurch wird ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung des Fußballwesens in unserem Bundesland geleistet.  Der Unterschied zu früher ist, dass wir weg vom „Beurteiler“ hin zum Coach und Mentor gegangen sind. Eine Stärken- und Schwächenanalyse wird unmittelbar nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter-Team vorgenommen. Somit legen wir unseren Fokus auf die ständige Weiterentwicklung der Unparteiischen.  Mit Menschen zusammenzukommen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sind die wesentlichsten Motive, warum ich als Funktionär tätig bin. Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungswerte weitergeben.

 

Martin Mühlgrabner (Vorsitzender Strafausschuss-Senat)

Ich bin seit rund fünf Jahren im Strafsenat 1 tätig, die letzten beiden Jahre als Vorsitzender. Wir haben pro Halbsaison acht bis zehn Sitzungen mit einem durchschnittlichen Zeitaufwand von jeweils drei Stunden. Dazu kommt jährlich eine Fortbildung, die Vorbereitungen auf die jeweilige Sitzung und bei Protesten gegen diverse Urteile das Erstellen von entsprechend ausführlichen Urteilsbegründungen. Unsere Aufgabe im Strafsenat ist es unter Berücksichtigung des vorliegenden Regelwerks möglichst faire Urteile gegen die angezeigten beziehungsweise ausgeschlossenen Spieler und Funktionäre auszusprechen. Die Aufgabe ist in den letzten Jahren insofern komplexer geworden, da die Vereine vermehrt auf rechtskundige Unterstützungen bei Verhandlungen setzen. Zudem lässt das Regelwerk oft nur Urteile zu, welche subjektiv unfair erscheinen.

Absolut positiv ist der vermehrte Einsatz der Technik – vor allem die Verhandlungen per Skype mit weit entfernten Vereinsfunktionären hat sich bestens bewährt. Als jahrzehntelang dienender Vereinsfunktionär ist es mir und meinen Senatskollegen besonders wichtig, dass die Vereine und Spieler im Strafsenat fair behandelt werden. Zudem lernt man die handelnden Personen im Verband näher kennen und deren vorbildliche Arbeitsweise, jeder Fall ist für sich immer spannend in der Auslegung der einzelnen Meinungen und es macht große Freude, viele Vereinsfunktionäre und Spieler dabei kennenzulernen.

 

Roman Fuchsberger (Mitglied Cupreferat)

Ich bin 2010 mit Reformideen für den Landescup an den Verband herangetreten. Im Zuge dieser Gespräche wurde mir die Position im Cup-Komitee angeboten. Bei meiner ersten Sitzung hat mich wirklich gefreut, dass viele Punkte aus dem Konzept schon umgesetzt waren. Der Aufwand hält sich zeitlich in Grenzen, jährlich finden etwa vier bis fünf Meetings statt, in denen die grundsätzlichen Themen des Cup-Bewerbs behandelt werden. Der größere Zeitaufwand ist sicherlich der Besuch diverser Cup-Spiele. Meiner Meinung nach ist es wichtig sich als Funktionär gerade in seinem Aufgabenbereich bei den Spielen sehen zu lassen und so den Vereinen zu zeigen, dass auch der Verband vor Ort ist.

Der Bewerb hat sich grundsätzlich so entwickelt wie wir uns das vorstellen. Dazu tragen aber mehrere Teilbereiche bei wie zum Beispiel das Marketing mit der Sponsorenakquise. Auch medial mit den TV-Partnern gab es eine sehr positive Entwicklung. Organisatorisch sind in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Arbeitsprozesse automatisiert und digitalisiert worden, dadurch wurde auch das Risiko potentieller Fehler und Hoppalas minimiert. Es wurde also schon viel erreicht, mein persönliches Ziel wäre es, den Cup landesweit mit allen Vereinen zu spielen – da würde es noch mehr Regionalität und Derbys mit David gegen Goliath geben. Dies ist aber nicht so einfach, da es jetzt schon oftmals zu Terminproblemen kommt. Ein eigener Cup-Ball wäre eine weitere Aufwertung. Und auch Visionen dürfen nicht fehlen, vielleicht gibt es in Zukunft die Möglichkeit Spiele zu streamen und diese online anbieten zu können.  Es macht mir jedenfalls sehr viel Spaß, wenn man etwas mitentwickeln kann – da gehört es auch dazu, einmal einen Schritt zurück zu tun und einen neuen Weg zu gehen.

 

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