Eckpfeiler für den Verein der Zukunft

Eckpfeiler für den Verein der Zukunft

Der Wandel der Zeit macht auch vor dem Sport nicht Halt. Welchen Herausforderungen sich der Amateurfußball in den kommenden Jahren stellen muss, erörterten Landessportdirektor Gerhard Rumetshofer,  OÖFV-Direktor Raphael Koch, Stefan Hochreiter (Sektionsleiter Bad Wimsbach), Thomas Weissenböck (Leiter Trainerausbildung), Gerald Reindl (Leiter Frauenfußballzentrum OÖ) und LT1-Geschäftsführer Dietmar Maier bei einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Moderator Wolfgang Irrer bei der Vereinscoaching-Tagung in Sipbachzell. Als wesentlicher Punkt für Vereine gilt, eine klare, nachhaltige Strategie zu entwickeln, um auf Dauer bestehen zu können. „Ich brauche eine Richtung, wo ich hin will“, betonte Rumetshofer. Strukturen zu schaffen, Visionen und messbare Ziele festzulegen sowie konkrete Maßnahmen zu erstellen, um diese zu erreichen, sind essenzielle Faktoren, um für ein attraktives Angebot zu sorgen. „Man muss überlegen, wie kann ich mich abheben, auch gegenüber anderen Sportarten“, so Weissenböck. Das sah auch Koch so: „Eltern und Kinder sind anspruchsvoller geworden, laufen nicht zu den Vereinen. Die Vereine müssen sich um Spieler bemühen und ihnen etwas bieten.“

Wohlfühloase schaffen
Dabei geht es aber nicht nur darum, Nachwuchskicker für den Verein zu gewinnen. „Ein Verein der Zukunft muss so breit gestaltet sein, dass Jung und Alt etwas damit anfangen können“, erläuterte Hochreiter. Eine adäquate Infrastruktur ist dabei unabdingbar. „Es braucht gute Sportstätten, es wird nicht mehr akzeptiert, wenn es nur kaltes Wasser gibt oder Schimmel an den Wänden klebt“, mahnte Rumetshofer. Unter dem Strich müsse man eine gewisse Wohlfühloase schaffen, befand Hochreiter, dessen Landesligist auch aus diesem Grund in den letzten Jahren enorm in die Verbesserung der Infrastruktur in Bad Wimsbach investiert hat. Apropos investieren: Ein immer wiederkehrendes Thema ist die finanzielle Situation. Während in vielen Klubs das Ehrenamt hochgehalten wird, fließen mancherorts große Mengen an monetären Mitteln in die Kampfmannschaft. Einen gegenteiligen Ansatz verfolgt Hochreiter bei Bad Wimsbach: „Wenn ich Amateursportler bin, dann gehe ich einem Beruf nach und brauche im Sport nicht so viel verdienen.“ Die Vereine seien gefragt, beim Gehaltsschema runterzukommen, ergänzte Weissenböck.

Fußball wird weiblicher
Das alles macht es schwierig, Funktionäre zu finden. Abhilfe schufen sich einige Klubs, indem sie Damen und deren wertvolles Wissen – sei es im Marketing, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Organisation, im Finanzwesen oder im sportlichen Bereich – miteinbezogen. „Speziell im Bereich Vermarktung und Außendarstellung haben sich für Amateurvereine völlig neue Chancen eröffnet“, denkt Maier an Privat-TV und soziale Medien. Die Entwicklung, den Fußball weiblicher zu gestalten, kann ein wichtiger Schritt sein, um den Anforderungen gerecht zu werden. Zumal auch die Entwicklung im Frauenfußball immer weiter voranschreitet. „In zehn Jahren wird in der höchsten Spielklasse ein Halbprofitum herrschen“, ist Reindl überzeugt.

Die Rolle des Trainers
Stark verändert hat sich auch die Funktion des Trainers, speziell im Nachwuchs. Dieser schlüpft keineswegs lediglich in die Rolle eines Übungsleiters, sondern fungiert längst als wichtige Bezugsperson für die Heranwachsenden, der sich auch für die äußeren Einflüsse und das Umfeld der Jung-Kicker interessieren sollte. „Wichtig ist, nicht nur die Trainings-Arbeit zu gestalten, sondern auch pädagogischen Hintergrund mitzubringen. Trainer müssen Kinder begeistern können und das Nötige mitgeben, sowohl fußballspezifisch, als auch in der Persönlichkeits-Entwicklung“, betonte Weissenböck.