Haftung des Veranstalters

Haftung des Veranstalters

Der Vorsitzende der OÖFV-Kommission Recht & Struktur, Vizepräsident Richard Hargassner, informiert über ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das sich mit der Haftung des Veranstalters eines Fußballspiels befasst hat.

Haftung des Veranstalters eines Fußballspiels für Kollision des Fußballers mit einem außerhalb des Spielfelds befindlichen Geländer? (OGH 6 Ob 14/20g)

Sachverhalt:

Die von der Stadt V. an den Verein verpachtete Sportanlage verfügt über ein Hauptfußballspielfeld und einen Trainingsplatz. Diese sind den einschlägigen ÖNORMEN entsprechend errichtet und kommissioniert. Sie wiesen zum Zeitpunkt des Unfalls des Klägers keinerlei Mängel auf, und zwar weder hinsichtlich des Kunstrasens in der Sicherheitszone im unmittelbaren Anschluss an das Hauptfußballspielfeld noch hinsichtlich dessen Naturrasens oder des Aluminiumgeländers, mit dem (konkret: einem einzelnen senkrechten Steher) der Kläger kollidierte. Auch der Steher des Geländers und die Sicherheitszone, die nicht bloß in der vorgeschriebenen Mindestbreite von einem Meter, sondern sogar in einer Sollbreite von zwei Metern ausgeführt war, waren mängelfrei errichtet. Dass das Aluminiumgeländer zum Unfallzeitpunkt nicht verplankt war, widersprach weder einer Norm noch einer sonstigen Vorschrift oder einer Auflage.

Der Unfall ereignete sich wie folgt: Der Kläger wollte im Zuge eines Angriffs als Stürmer einen gegnerischen Verteidiger an der Seitenoutlinie umlaufen, als er von diesem (ohne Körperkontakt) blockiert und vom Ball getrennt wurde. Er gab deshalb den Kampf um den Ball auf und wich aufgrund seiner Lauflinie und Geschwindigkeit in die Sicherheitszone außerhalb der Seitenoutlinie aus, um dort ein „Bremsmanöver“ durch kleine Schritte und eine Verlagerung seines Körpergewichts nach hinten einzuleiten. Dadurch zog es ihm aber die Beine weg, er fiel auf sein Gesäß, rutschte mit aufrechtem Oberkörper in Richtung Geländer und kollidierte mit gestrecktem Bein mit einem Steher des Aluminiumgeländers. Das Geländer war vom Kläger bereits vor dem Unfall wahrgenommen worden. Die letztlich vom Kläger erlittenen Verletzungen bedingt durch das Geländer waren jedoch weder für diesen noch für den beklagten Fußballverein vorhersehbar gewesen.

Der Oberste Gerichtshof wies das Schadenersatzbegehren des Klägers von rund 16.000 EUR ab und führte dazu zusammengefasst aus:

Veranstalter von Sportwettbewerben haben für die im Interesse der Sicherheit von Beteiligten und Zuschauern erforderlichen Vorkehrungen zu sorgen. Liegt die Möglichkeit nahe, dass sich aus einer Veranstaltung Gefahren für andere ergeben, so hat der Verantwortliche im Rahmen des Zumutbaren auch dagegen angemessene Maßnahmen zu treffen. Es kommt darauf an, welche Maßnahmen zur Abwehr vorhersehbarer Gefahren notwendig und zumutbar sind. Die einschlägigen Richtlinien von Sportverbänden und allfällige behördliche Anordnungen sind dabei als Sorgfaltsmaßstab heranzuziehen. Der Veranstalter muss die Anlage für die befugten Benutzer in einem verkehrssicheren und gefahrlosen Zustand erhalten und diese vor erkennbaren Gefahren schützen. Der Verkehrssicherungspflichtige muss zumutbare, schadens-verhindernde Maßnahmen unabhängig vom Vorhandensein einer behördlichen Bewilligung setzen. Das Vorliegen einer entsprechenden behördlichen Genehmigung – und dementsprechend auch die „Kommissionierung“ eines Fußballplatzes durch einen Sportverband – kann daher den zur Sicherung des Verkehrs Verpflichteten nicht entschuldigen, wenn er vom Bestand einer Gefahrenquelle weiß oder davon wissen muss und die ihm möglichen oder zumutbaren Maßnahmen zu deren Beseitigung unterlässt.

Ein Fußballspieler muss zwar nicht damit rechnen, innerhalb eines Spielfelds Gefahren ausgesetzt zu sein, die sich nicht durch die Ausgestaltung des Spiels an sich ergeben. Es muss aber jedem Sportler, mag er sich auch in einer Wettkampfsituation befinden, einsichtig sein, dass erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist, wenn man sich dem Spielfeldrand nähert. So besteht etwa auch bei in Hallen (der dortige Kläger hatte sich bei einem Hallenfußballspiel verletzt) üblicherweise verwendeten Banden aus beweglichen Teilen ein erhebliches Verletzungspotential; ein Veranstalter darf aber darauf vertrauen, dass ein Fußballspieler auch im Wettkampf darauf achtet, wohin er mit vollem Tempo läuft.

Das Geländer befand sich in einem – den Mindestabstand um das Doppelte überschreitenden –  Abstand zur Seitenoutlinie und war vom Kläger bereits vor dem Unfall wahrgenommen worden. Seine Überlegung, er hätte sich nicht verletzt, hätte sich das Geländer um einen weiteren halben Meter weiter von der Seitenoutlinie befunden oder wäre es verplankt gewesen, mag zwar sein; bei einem anderen Laufwinkel, einer höheren Laufgeschwindigkeit, einem nassen Kunstrasen in der Sicherheitszone oder anderen (zufällig eintretenden) Umständen hätten jedoch möglicherweise auch diese Vorkehrungen eine Verletzung nicht verhindert. Dass aber der Veranstalter jede auch nur denkbare oder vielleicht auch gar nicht vorhersehbare Verletzungsgefahr außerhalb des Spielfelds verhindern bzw. schadenersatzrechtlich dafür einzustehen hätte, würde die Grenzen der Zumutbarkeit möglicher Maßnahmen der Gefahrenabwehr durch den beklagten Fußballverein überschreiten.

 

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