Hinter den Kulissen der Frauenakademie

Hinter den Kulissen der Frauenakademie

Österreichs Frauenfußball befindet sich stark im Aufwärtstrend - vor allem auch dank des Nationalen Zentrums in St. Pölten, wo die größten Talente des Landes den Feinschliff verpasst bekommen. Am 12. Dezember lädt die Talenteschmiede wieder zu ihrem jährlichen Tag der offenen Tür, an dem interessierte Fußballerinnen sowie deren Eltern einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Eine Einladung sowie das Programm der Veranstaltung gibt es hier.

 

Auch einige Talente aus Oberösterreich profitieren von der professionellen Ausbildung in der Nachwuchseinrichtung. Wie etwa Simone Krammer! Die 17-Jährige dribbelt mit Union Kleinmünchen in der Bundesliga, kämpft mit dem U19-Nationalteam auf internationaler Bühne und trainiert seit 2011 im Nationalen Zentrum in St. Pölten. Hier gibt sie einen interessanten Einblick in ihren Tagesablauf in der Frauenakademie . . .

 

Schon seit frühester Kindheit wollte ich immer Fußballprofi werden und dieses Ziel habe ich stetig verfolgt. Bereits ab dem 5. Lebensjahr habe ich mit den Buben in den verschiedenen Mannschaften mitgespielt. Als dann das Projekt des Nationalen Zentrum erstmals publik wurde, war ich natürlich sehr interessiert. Also fuhr ich mit meinen Eltern zum Tag der offenen Tür nach St. Pölten, um uns genauer über dieses Vorhaben zu informieren. Begeistert meldete ich mich zum vorgeschriebenen Sichtungstag an, bei dem mehr als 80 Fußballerinnen aus ganz Österreich ihr Talent unter Beweis stellten. Nach einigen Wochen erhielt ich die Zusage. Als ich endlich erfahren habe, dass ich aufgenommen wurde, konnte ich es gar nicht fassen. Ich war einfach überglücklich.  Trotzdem war es nicht leicht eine Entscheidung zu treffen, da sich das ganze bisherige Leben doch gravierend ändern würde. Neue Schule, neue Umgebung, neue Gesichter und viele weitere neue Herausforderungen kamen auf mich zu. Man wohnt auf einmal in einem Internat, ist mehr auf sich alleine gestellt, hat neue Bezugspersonen, Lehrer, Trainer und man ist darüber hinaus ständig unterwegs. Trotzdem habe ich mich für diesen Weg entschieden und bereue es keineswegs. Genauer gesagt bin ich froh, dass ich diese Chance bekommen und sie schließlich ergriffen habe. Das tägliche Training macht viel Spaß und man verbessert sich jeden Tag. Außerdem habe ich viele neue Freunde gefunden, für die Fußball ebenfalls eines der wichtigsten Dinge im Leben ist. Ich habe mich auch in meiner Persönlichkeit weiterentwickelt und bin erwachsener und selbstständiger geworden.

 


Ein normaler Tag im Nationalen Zentrum in St. Pölten fängt um 7.30 Uhr mit dem Aufstehen an. Danach geht es ab ins Bad. Um 8 Uhr sitzen wir bereits beim Frühstück. Das erste Training des Tages beginnt um 8.45 Uhr und findet je nach Witterung am Rasenplatz, Kunstrasenplatz oder in der Halle statt. Die Trainingsplätze sind für uns durch einen kurzen Gehweg leicht erreichbar. Das Training ist immer in sechswöchige Trainingszyklen eingeteilt.  Vormittags wird meistens an der Athletik und Kraft  gearbeitet. Das ist zwar sehr anstrengend, aber macht gleichzeitig auch viel Spaß.  Nach dem Training und einer schnellen Dusche beginnt um 10.30 Uhr mein Schultag. Auf drei Unterrichtsstunden folgt eine halbstündige Pause, in der wir im Internat unser Mittagessen einnehmen. Die letzte Unterrichtsstunde des Tages endet um 14.20 Uhr. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, weil die zweite Trainingseinheit bereits um 15 Uhr startet. Bei diesem Training steht der fußballerische Bereich im Mittelpunkt. Wir arbeiten jeden Tag mit unseren jeweiligen Nationalteam-Betreuern zusammen - das hilft unserer persönlichen Entwicklung und verbessert zudem auch das Niveau der diversen Nationalteams. Nach anstrengenden eineinhalb Stunden geht es für uns zurück ins Internat und wieder ab unter die Dusche. Das erste Mal am Tag haben wir etwas Freizeit, bevor das gemeinsame Abendessen um 18.30 Uhr stattfindet. Danach ist unser Tag jedoch noch nicht zu Ende. Zwischen 19 und 20 Uhr findet unsere tägliche Lernstunde statt, in der wir Hausaufgaben erledigen oder für Tests und Schularbeiten lernen. Endlich haben wir Freizeit - die verbringt jeder ganz unterschiedlich. Ein paar treffen sich gemeinsam in einem Zimmer und reden über den Tag, die anderen lassen den Abend vorm Fernseher ausklingen oder hören Musik. Unser Tag endet um 22.30 Uhr mit der wohlverdienten Bettruhe. Die Ausbildung erfordert in allen Bereichen viel Disziplin und Ausdauer - aber wer ein Ziel vor Augen hat, ist auch bereit dafür zu arbeiten!