Sechs Blinkwinkel auf ein Thema

Sechs Blinkwinkel auf ein Thema

Eine Podiumsdiskussion im klassischen Setting war Corona-bedingt heuer undenkbar, die Gesprächsrunde mit sechs Gästen mit unterschiedlichen Blickwinkeln bei der Vereinscoaching-Tagung des OÖ FUSSBALLVERBANDES und der Österreichischen Gesundheitskasse konnte dank eines Livestreams aber dennoch über die Bühne gehen. Bei der Online-Diskussion sprachen Stefan Gogg (Leiter Breitenfußball ÖFB), Gerhard Götschhofer (Präsident OÖ FUSSBALLVERBAND), Sarah Pum (Spielerin Union St. Oswald/Freistadt), Gerald Scheiblehner (UEFA-Pro-Lizenz-Trainer), Gustav Uttenthaler (Sektionsleiter Union Geboltskirchen) und Gerhard Zallinger (Sportwissenschaftler) über die Auswirkungen der Pandemie auf den Amateurfußball.

Herausforderung für Aktive und Funktionäre
Das vergangene Jahr brachte für Vereine und Sportler viele Herausforderungen mit sich. „Man hat den Bezug zum Fußball ein wenig verloren. Zu Beginn war es dann etwas schwierig, wieder ins Training einzusteigen“, schilderte Pum etwa ihre Erfahrungen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr. Umso größer war die Freude, dass ein Großteil der Herbstsaison über die Bühne gehen konnte. In Oberösterreich mussten bis zum vorgezogenen Start der Winterpause nur sieben Prozent der Spiele verschoben werden. „Wir waren froh, dass wir gespielt haben. Dennoch war es eine Challenge. Für kleinere Vereine ist oft das Personal nicht da, um alle Maßnahmen umzusetzen“, gab Uttenthaler Einblick in die Vorgaben der Regierung, die von einer begrenzten Zuschaueranzahl und verpflichtenden Mindestabständen bis hin zur Schließung der Kantinen zum Ende der Herbstsaison gereicht hatten.

Testungen als Türöffner
ÖFB und Landesverbände haben alles unternommen, um die Klubs hierbei bestmöglich zu unterstützen, indem etwa umfassende Präventionskonzepte ausgearbeitet wurden. „Ich denke, wir haben uns rasch auf die Situation eingestellt, gezeigt, dass wir da sind, Probleme hören und sie zu den Entscheidungsträgern in der Politik bringen“, meinte Gogg.  Seit November steht der Amateursport nun erneut still. Speziell für den Nachwuchs eine enorm belastende Situation. In den vergangenen Wochen formierte sich eine breite Unterstützungsallianz, die dafür eintrat, unter Auflagen zumindest eingeschränktes Training wieder zuzulassen. „Es geht jetzt darum, den Vereinen Zukunftsperspektiven zu vermitteln“, so Präsident Götschhofer. Gogg hofft, dass die Testungen in den Schulen auch im Sport als Türöffner fungieren könnten. Man könne als organisierter Sport so auch einen Beitrag leisten, das zu unterstützen, erklärte der ÖFB-Breitenfußball-Leiter. Mit März hoffe er, dass Training in Kleingruppen möglich sei. Bis die Meisterschaft gestartet werden kann, dürfte es noch etwas dauern – schon aus verletzungsprophylaktischen Gründen. „Wir hatten jetzt eine sehr, sehr lange Phase, in denen es nicht zu spezifischen Bewegungen und Trainings kam“, erklärte Sportwissenschaftler Zallinger, der von fünf bis sechs Wochen nötiger Vorbereitungszeit sprach.

Fingerspitzengefühl gefragt
Gefragt sind hier auch die Trainer, allen voran im Umgang mit den Spielern. „Man muss viel mehr Rückmeldungen bei den Spielern einholen. Es braucht Fingerspitzengefühl, man darf sich als Trainer nicht zu wichtig nehmen, muss zunächst einmal weg vom absoluten Leistungsgedanken“, hob Zallinger die richtige Kommunikation mit den Spielern hervor. Dem konnte Gerald Scheiblehner, bis Winter Chefcoach von Zweitligist FC Juniors, nur beipflichten. „Wichtig ist, ehrlich mit den Spielern umzugehen. Wenn sie das Gefühl haben, dass der Trainer im selben Boot sitzt, erreicht man sie vielleicht noch besser. Bei der Rückkehr auf den Platz sollte das Gemeinsame im Vordergrund stehen.“ Scheiblehner sieht die Situation aber auch als Chance für ein starkes Comeback des Sports. Er erwarte eine große Euphorie, die man nützen könne. „Wir stehen vor einem Neubeginn, man kann viele Ideen neu einbringen. Wir müssen zeigen, dass wir Vorreiter sind in Oberösterreich, eine Rolle für die gesamte Gesellschaft einnehmen und positiv nach vorne blicken.“  Darauf hofft auch Götschhofer: „Wir werden gestärkt hervorgehen, weil viele Bereiche der Gesellschaft feststellen werden, welch wichtigen Stellenwert der Sport gesellschaftlich und volkswirtschaftlich hat.“ Der OÖFV-Präsident wünscht sich aber auch eines: „Das Bewusstsein, dass nicht alles selbstverständlich ist, was in den letzten Jahren so empfunden wurde.“

 

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