„Vereinsleben entscheidend“

„Vereinsleben entscheidend“

Stefan Reiter hat nicht nur eine Antwort auf die Frage nach dem Geheimnis erfolgreicher Vereine. Der Manager der SV Josko Ried spricht auch über die drei Säulen des Bundesligisten, die Gefahr der Champions League und einen Herzenswunsch.

DP: Sportlich lief´s in diesem Jahr nicht wirklich rund. Trübt das den Stolz über die vielen wichtigen Weichenstellungen im Umfeld?

SR: "Der sportliche Erfolg ist nur ein kurzfristiges Spiegelbild eines Vereins, der aber viele langfristige Aufgaben zu erledigen hat. In punkto Wirtschaftlichkeit stehen wir gut da und sind schuldenfrei, was speziell im Hinblick auf die Lizensierung wesentlich ist. Im Bereich Infrastruktur haben wir vom Stadion über die Akademie und bald auch beim Kabinentrakt Nachhaltigkeit und eine Basis für die nächste Generation geschaffen. Und die dritte Säule, auf der der sportliche Erfolg der letzten Jahre aufgebaut wurde, ist die Nachwuchsarbeit. Wir befinden uns gerade in einer Umbruchsphase und man sollte den Gesamterfolg nicht von einem Jahr abhängig machen."

DP: Stößt ein Verein wie Ried in seiner Entwicklung irgendwann an seine Grenzen?

SR: "Wir wollen weiterhin ein solider Bundesliga-Verein und Sprungbrett für internationale Karrieren sein. Junge Spieler wie Murg wollen alle nach Ried, das ist unsere Chance. Wir dürfen daher keinesfalls unseren Weg verlassen, wenngleich er Zeit beansprucht und man dafür in der Öffentlichkeit Verständnis braucht."

DP: Was bringt die steigende Kommerzialisierung im Fußball für Profi-, aber auch für Amateurklubs mit sich?

SR: "Die Champions League ist das Paradebeispiel erfolgreicher Vermarktung, aber sie birgt auch eine Gefahr: Die Öffentlichkeit nimmt das als Standard und fordert es auch in Österreich ein. Dabei haben wir ebenso gewaltige Sprünge gemacht, die jedoch im Schatten der Königsklasse untergehen. Was kleine Vereine betrifft, so sollten sie sich in erster Linie auf ihre ureigenen Tätigkeiten konzentrieren. Mit einem guten Umfeld kann sich eine positive Dynamik unabhängig vom sportlichen Erfolg entwickeln. Für die Bevölkerung einer Gemeinde ist es nicht entscheidend, ob man in der Landesliga oder der 1. Klasse spielt."

DP: Welche Ziele sollte ein ambitionierter Amateurverein also primär verfolgen?

SR: "Neben der Nachwuchsarbeit sind das Vereinsleben, eine gute Kameradschaft entscheidend. Man muss präsent sein in der Bevölkerung, sich aktiv ins Ortsgeschehen einbringen. Dann kommen auch regionale Unternehmen gerne ihrem sozialen Auftrag nach. Das werden jedenfalls die erfolgreichen Vereine der Zukunft sein."

DP: Wie intensiv sind Arbeit und Zeitaufwand eines Bundesliga-Managers?

SR: "Ich bin für den gesamten sportlichen Bereich vom Meldewesen bis zum Scouting verantwortlich. Darüber hinaus muss man täglich für viele Dinge Lösungen finden. Die Recherche in der heimischen und internationalen Fußballszene ist ein Muss und gleichsam Basis für professionelle Medienarbeit. Zu Stoßzeiten, etwa in der Transferzeit, kommt man da schon auf ein Wochenpensum von bis zu 100 Stunden."

DP: Welche Frage würde Stefan Reiter gerne einmal gestellt bekommen?

SR: "Ich werde eigentlich immer nur als funktionale Person in meiner Rolle als Manager der SV Josko Ried gesehen. Wenn ich also in ein Kaffeehaus gehe, fühlt sich gleich jeder genötigt, mit mir über Fußball zu reden. So wird man eigentlich auf den Verein und seine Funktion reduziert - und damit habe ich wirklich zu kämpfen. Ich habe ja auch zu anderen Themen meine Meinung, die ich gerne vertreten und preisgeben möchte. So gesehen freue ich mich über jede Frage, die auf eine Antwort der Privatperson Stefan Reiter abzielt."

 

Interview aus dem Doppelpass 3/2014